Der Spionagefall Ethel und Julius Rosenberg

Das Gerichtsverfahren gegen das US-amerikanische Ehepaar Ethel und Julius Rosenberg erregte Anfang der 50er Jahre weltweites Aufsehen. Ihnen wurde Spionage für die Sowjetunion vorgeworfen. Die Indizien gegen Julius Rosenberg waren erdrückend, doch gegen seine Frau Ethel lag faktisch nichts vor. Allein die belastende Aussage David Greenglass, des Bruders von Ethel Rosenberg, führte im Prozess zur Verurteilung. Obwohl sie die Vorwürfe bestritten und Millionen von Menschen gegen die Vollstreckung des Todesurteils protestierten, wurden beide am 19. Juni 1953 im Staatsgefängnis Sing Sing in New York auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet.

Julius Rosenberg wurde am 12. Mai 1918 in New York geboren, Ethel Rosenberg am 28. September 1915, ebenfalls in New York. 1936 lernten sie sich in der Young Communist League kennen, bevor sie drei Jahre später heirateten. Die Rosenbergs hatten zwei Söhne: Robert und Michael Rosenberg, die nach der Hinrichtung ihrer Eltern von Abel Meeropol und seiner Frau Anne adoptiert wurden.

Ethel und Julius Rosenberg waren die einzigen US-amerikanischen Zivilisten, die während des kalten Krieges der Spionage bezichtigt wurden. Ihr Fall bildet seitdem das Herz einer kontroversen Diskussion über den Kommunismus in den USA. Unterstützer sehen in ihm ein herausragendes Beispiel für die Hysterie und Hexenjagd auf Kommunisten unter Senator McCarthy.

„Ich halte Ihre Verbrechen für schlimmer als Mord. Ich glaube, dass Ihr Verhalten, den Russen die Atom-Bombe in die Hand zu geben, und zwar – wie unsere besten Wissenschaftler voraussagten – Jahre bevor Russland selbst die Bombe hätte fertig stellen können, meiner Meinung nach die kommunistische Aggression in Korea bewirkt hat. Und als Ergebnis kam es zu über 50.000 Toten und wer weiß, wie viele Millionen Unschuldiger mehr möglicherweise den Preis für Ihren Verrat werden zahlen müssen. (…)Die Liebe zu ihrer Sache beherrschte Ihr Leben – diese Liebe war sogar größer als die Liebe zu Ihren Kindern.“ So Richter Irving Kaufmann bei der Urteilsverkündung im April 1952.

Einem Reporter der New York Times, namens Sam Roberts, gelang es, David Greenglass ausfindig zu machen und zu einem Geständnis zu bewegen. Fünfzig Jahre nach dem Prozess gibt der Bruder von Ethel Rosenberg zu, auf Druck des FBI und der Staatsanwaltschaft eine seine Schwester belastende Aussage gemacht zu haben, um seine eigene Frau vor einer Strafverfolgung zu bewahren.
„Mit dieser Aussage schickte er seine eigene Schwester auf den elektrischen Stuhl“, so schreibt Sam Roberts in seinem Buch „The Brother“ (Random House Trade).

Mit der Hinrichtung an einem Sabbatabend erreichte der Fall Ethel und Julius Rosenberg einen grausamen Höhepunkt, der bis heute noch nicht abgeschlossen ist. „The Brother“ von Sam Roberts enthüllt die tragische Geschichte einer Familie vor dem Hintergrund eines dürftig geklärten Spionagefalls.

Annika Färber

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