„The Class Enemy“ – Theater zum Aufrütteln?

In einer heruntergekommenen Berliner Schule vertreiben sich die Schüler der 10 a die Wartezeit auf einen neuen Lehrer. Bisher haben sie jeden Lehrer erfolgreich verjagt, regelrecht fertig gemacht, sowohl seelisch als auch körperlich. Getrieben von krimineller Energie, Aggression und unverholter Schadenfreude spielen sie die Demütigung der verhassten Autoritätspersonen nach. Bereits hier zeigt sich ein fataler Ausbruch von Hass und Gewalt.

Treibende Kräfte sind Fetzer und Kralle, beide ebenso brutal wie skrupellos. Mit ihrer manipulativen Art treiben sie die rechtsextreme Kitty und die rebellische Cat dazu, ebenso gewalttätig aufzutreten wie sie selbst. Schließlich reißen sie auch die vorbestrafte Kebab, die aufgrund ihres Migrationshintergrundes um Anerkennung kämpft, mit.

Immer mehr werden der aufgedrehte Angel, der unsichere Pickel und die zurückhaltende Wölkchen in die Opferrolle gedrängt. Lediglich der unscheinbare Vollmond und die diplomatische Bella wagen es, sich gegen den „Klassen Feind“ aufzulehnen.

Gefangen in ihrer perspektivlosen Umgebung und getrieben von Langeweile, fassen die Schüler den Entschluss selbst Unterricht zu geben…

Der Literaturkurs Stefer zieht die Zuschauer in der voll besetzten Aula in den Bann. Sicher bleibt niemand unberührt, als die Schülerinnen und Schüler ihre Aggressionen zeigen, ihre Vorurteile herausschreien, sich in deftiger Sprache anpöbeln und alles in Schule und Gesellschaft verdammen. Sie versuchen selbst Unterricht zu machen – eine Hoffnung? – und zeigen am Ende ihre Gewalttätigkeit und Verletztlichkeit. Das Stück endet nicht ganz hoffnungslos.

Kommentare sind geschlossen.