Vom Leben zwischen zwei Welten – Ein Interview über Mut, Neuanfänge und kulturelle Perspektiven

Von der venezolanischen Hauptstadt Caracas bis nach Europa sind es rund 7.800 Kilometer. Diesen weiten Weg hat Danilo Rojas vor mehr als zehn Jahren auf sich genommen – eine Entscheidung, die sein Leben grundlegend verändert hat. Im Rahmen des CertiLingua-Projektkurses bei Herrn Witkop in Kooperation mit „Concept for Change“ unter der Leitung von Rafael Jaron hatten wir, Mia und Jan (Q1), die Gelegenheit, Herrn Rojas zu seiner persönlichen Geschichte, seinen internationalen Erfahrungen und seinem Blick auf die Welt zu interviewen.

Nach dem Abschluss seines Bachelorstudiums im Ingenieurwesen in Venezuela entschied sich Herr Rojas 2014, seine akademische Laufbahn in den Niederlanden fortzusetzen. Da er in seinem Heimatland nur begrenzte Möglichkeiten zur weiteren Qualifizierung sah, führte ihn sein Weg anschließend durch verschiedene europäische Länder. Im Laufe der Jahre arbeitete er für mehrere Unternehmen der Automobilindustrie, bevor er sich 2022 mit einem eigenen Ingenieurbüro selbstständig machte. Heute unterstützt er insbesondere Start-ups bei technischen Entwicklungsprozessen und vermittelt sein Fachwissen an junge Unternehmen. Besonders wichtig sei ihm dabei, eigenverantwortlich zu arbeiten und seine eigenen Ideen verwirklichen zu können.

Ein Schwerpunkt unseres Gesprächs waren die kulturellen Unterschiede, die Herr Rojas während seiner internationalen Laufbahn kennengelernt hat. Besonders eindrucksvoll schilderte er seine Erfahrungen mit unterschiedlichen Kommunikationsstilen. Während in vielen südamerikanischen oder arabischen Kulturen persönliche Beziehungen, Offenheit und ausführliche Gespräche eine große Rolle spielten, erlebe er die Kommunikation in Deutschland als deutlich direkter und stärker auf die eigentliche Botschaft fokussiert. Gleichzeitig schätze er die Zuverlässigkeit und Organisation des Landes. Mit einem Schmunzeln fasste er seine Erfahrungen zusammen: „In Germany, things just work.“

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Natürlich sprachen wir auch über Venezuela und die Entwicklungen in seinem Heimatland. Herr Rojas schilderte seine persönliche Sicht auf die politische und wirtschaftliche Situation sowie die Herausforderungen, mit denen viele Menschen dort seit Jahren konfrontiert sind. Dabei machte er deutlich, dass Venezuela trotz seines großen Rohstoffreichtums unter den Folgen von Korruption und politischen Konflikten leidet. Das Eingreifen der USA bewertete er aus pragmatischer Sicht als positiv. „Sometimes, the system of the rules is not enough. Here, a good thing was done by a bad person.”

Besonders bewegend waren seine Schilderungen über die Auswirkungen des jüngsten Erdbebens in Venezuela. Da ein Teil seiner Familie weiterhin dort lebt, erlebt er Krisen aus großer räumlicher Distanz mit und fühlt sich oftmals machtlos. Diese Erfahrungen hätten ihm vor Augen geführt, wie wertvoll gemeinsame Zeit mit Familie und Freunden sei und dass man viele Begegnungen nicht als selbstverständlich betrachten dürfe.

Zum Abschluss baten wir Herrn Rojas um einen Rat für junge Menschen. Seine Antwort war ebenso einfach wie inspirierend: „Erfüllt euch eure Träume, aber seid euch bewusst, dass ihr auf diesem Weg Opfer bringen müsst. Reist um die Welt und sprecht mit fremden Menschen – hört euch ihre Lebensgeschichten an.“

Das Interview hat uns eindrucksvoll gezeigt, wie bereichernd der Austausch mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen sein kann. Es eröffnete neue Perspektiven auf internationale Zusammenarbeit, kulturelle Unterschiede und persönliche Lebenswege – und verdeutlichte einmal mehr, welchen Wert der Blick über den eigenen Horizont hinaus besitzt.

(Jan)