Die 11.Klasse in Plymouth

Fish&Chips, Fussball, die Queen und komische Traditionen, das ist vermutlich das, was die meisten denken, wenn sie England hören. Ich wollte aber mal meine Urlaubserfahrungen etwas ausweiten und entschloss mich deshalb im Sommer 2003, einen Teil der elften Klasse in Great Britain zu verbringen.

Nach dem Ausfüllen endloser Fragebögen, einem Interview und einem Vorbereitungsseminar bekam ich dann im Juni 2004 endlich die Unterlagen meiner Gastfamilie zugeschickt. Ich würde von September bis Dezember bei Familie Scott in Plymouth, Devon wohnen und dort auf ein Community College (sowas wie eine Gesamtschule) gehen.

Am Donnerstag, den 2. September stieg ich in Plymouth aus dem Zug und wurde samt Koffer und Gitarre von meiner Gastmutter Christine abgeholt. Sie, ihr Mann Leslie und meine Gastgeschwister Michael und Tiffany hatten meine Familie und mich schon in der Woche vorher in unserer Ferienwohnung in Cornwall besucht, sodass das erste Kennerlernen schon gelaufen war.

Ich bekam eine erste kurze Stadtrundfahrt durch Plymouth und war doch etwas überrumpelt von all den Straßennamen und Sehenswürdigkeiten, die da auf Englisch auf mich einprasselten. Inzwischen kenne ich selber die meisten Straßen und Orte in der Innenstadt und meine Verwirrung ist nur noch schwer vorstellbar.

Plymouth liegt an der Grenze zwischen Cornwall und Devon und wird durch die Flüsse Plym und Tamar geteilt. Die Stadt hat 241 000 Einwohner, einen grossen Marinehafen, eine Shoppingmeile in der Innenstadt und ein sehr schönes altes Hafenviertel. Sozusagen das Kontrastprogramm zu unserem ja doch eher ländlichen Lipperland.

Die ersten Tage in meiner neuen Heimat verbrachte ich bei für englische Verhältnisse schweißtreibenden 25 Grad damit, meine Gastfamilie und die Umgebung kennen zu lernern, bis dann am 6. Septermber eine neue Herausforderung auf mich wartete: Der erste Schultag! Meine Schule, das Stoke Damerel Community College, ist 20 Minuten zu Fuß entfernt und mein Gastvater hatte sich extra freigenommen, um mir am ersten Tag den Weg zu zeigen. In der Schule traf ich mit nicht weniger als vier anderen deutschen Austauschschülern zusammen und es sollten nicht die einzigen bleiben.

Nachdem wir unsere Fächer gewählt (höchstens vier) und unseren Stundenplan bekommen hatten, gab es noch eine kurze Tour durch die Schule und dann war der erste Schultag auch schon vorbei.Erst am nächsten Tag wurden wir dann offiziell den anderen Schülern der Sixth Form (Oberstufe) vorgestellt und begannen, uns in den Schulalltag einzugliedern.

Wir gehören zu einer so genannten „Confederated Sitxh Form“,in der drei Schulen sich zusammengeschlossen haben, um den Schülern in der Oberstufe mehr Möglichkeiten zu geben.

Für mich bedeutet das allerdings, dass ich drei meiner vier Fächer an einer anderen Schule habe und dafür jeden Tag in den schuleigenen Minibus steigen muss. Dabei hatte ich doch gehofft, hier mal ein paar Monate nicht Bus fahren zu muessen!

An den englischen Schulalltag habe ich mich dann relativ schnell gewöhnt, auch wenn er sich deutlich vom deutschen unterscheidet. Die Schule geht morgens um 9 Uhr los, von 11.00 bis 11.20 Uhr ist Breaktime und von 13.20 bis 14.20 Lunchtime. Die letzte Schulstunde endet um 16.20 und wenn man dann noch mit dem Bus fahren muss, ist man selten vor fünf zu Hause.

Eine Schulstunde hat hier 60 Minuten und nach sechs Stunden Unterricht lässt die Konzentration doch etwas nach. Die Tatsache, dass ich insgesamt nur vier Faecher habe, macht es auch nicht viel abwechslungsreicher.

Zusätzlich gibt es dann noch Hausaufgaben, sodass die Abende auch ausgefüllt sind. Der Unterricht ist ganz auf die Abschlussexams im Januar und Juli ausgerichtet,es gibt also zwischendurch keine Test oder ähnliches.

Allerdings werden die Hausaufgaben meistens eingesammelt und benotet. Hierbei schneiden wir Deutschen meist ziemlich gut ab und ernten viel Lob und Anerkennung für unser Englisch, da sich hier kaum jemand die Mühe macht, eine Fremdsprache zu lernen.

Ich sage „wir“, weil sich im Moment insgesamt 16 Deutsche in Plymouth aufhalten. Das geht soweit, dass ich und ein anderes deutsches Mädchen am ersten Tag in unserem English Language Kurs mit den Worten begrüßt wurden:“Ach, ihr seid auch Deutsche?“ Inzwischen besteht dieser Kurs aus vier Deutschen und vier Engländern, was teilweise zu „internationalen“ Missverständnissen führt.

Außerhalb der Schule passiert hier nicht so viel, da viele englische Jugendliche arbeiten und nebenher mehr oder weniger hart für ihre A-levels (Abitur) lernen. Die Schule füllt ja eh den größten Teil des Tages aus.

Dafür geht man dann am Wochenende aus, enweder auf private Parties oder in einen der Clubs in der Union Street, Plymouths Nachtclubmeile, deren Erwähnung bei den meisten Gasteltern besorgte Blicke hervorruft. Nichtsdestotrotz sind die meisten Jugendlichen freitags und samstags dort zu finden. Allerdings gibt es strenge Sperrstunden und Alkohol ist erst ab 18 und mit Ausweis zu haben.

Ich versuche außerdem, soviel wie möglich von Plymouth und Umgebung zu sehen, ob allein, mit anderen Austausschschülern oder meinen Gasteltern. Sehenswert sind zum Beispiel das Barbican, das Marine Aquarium oder Plymouth Dome. Und mit dem Bus kommt man leicht ins Dartmoor, nach Exeter oder an die cornische Küste im Sueden-Westen.

Inzwischen sind zwei Drittel meiner Zeit hier bereits um und am 19. Dezember geht es schon wieder zurück nach Deutschlnad. Ich habe schon eine Menge Erfahrungen gesammelt, auch wenn die ersten paar Wochen der Eingewöhnung härter waren als erwartet. Aber wenn man seine Alltag erst mal gefunden hat, vergeht die Zeit fast wie im Flug.

Ich kann einen Auslandsaufenthalt nur jedem empfehlen, der mal ein anderes Land und neue Leute kennenlernen und dabei sein Englisch verbessern will und sich auch vor nem bisschn Heimweh nicht fürchtet. Es lohnt sich!

Wenn ihr noch Genaueres wissen wollt oder Fragen zu meiner Organisation habt, schreibt einfach eine PM an ToteHose, ich versuche dann zu antworten, so schnell es geht.

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