Die häufigsten Sprachstörungen

Von einer verzögerten Sprachentwicklung spricht man, wenn es zu deutlichen Verzögerungen und anders bzw. unvollständig verlaufender Entwicklung kommt – und das gleich in mehreren sprachlichen Bereichen.

Kinder können schon im Kindergartenalter (oder auch früher) mit Problemen beim Spracherwerb auffallen. Natürlich müssen die Äußerungen des Kindes individuell und immer im Verhältnis zum Alter gesehen werden, denn es ist nicht jede Veränderung im Sprachgebrauch gleich eine Störung. Jedoch eine normal ablaufende Sprachentwicklung ist auch immer das Resultat einer positiven Gesamtentwicklung (geistige, motorische Entwicklung, Entwicklung der Sinne, soziale und emotionale Entwicklung) und sollte nicht losgelöst davon betrachtet werden!

Ursachen von Sprachstörungen

Die Basis einer klaren Aussprache ist ein gutes Hörvermögen sowie die Fähigkeit zur Lautunterscheidung (auch von ähnlich klingenden Lauten) und eine gute Beweglichkeit der Sprechwerkzeuge (Zunge, Lippen, Kiefer, Stimmbänder).

Eine andauernde Sprachstörung ist die Folge von vielen verschiedenen Faktoren, die im Einzelnen in grob vier Kategorien zusammengefasst werden können:

  • Organische Ursachen wie Hörstörungen und andere Sinnesstörungen, Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (Fehlbildungen des Gesichts im Mund- und Nasenraum) oder Fehlstellung des Gebisses, Hirnschädigungen, motorische Unreife
  • Genetische Ursachen (Sprachstörung wird nicht vererbt, aber familiäre Anlage zu einer Sprachschwäche kann vorliegen)
  • Ursachen aus der sozialen und kulturellen Umwelt, z. B. zu viel Fernsehen (passive Kommunikation), wenig aktive Kommunikation in der Familie, wenig Sprachanregung, falsches Verhalten bei einer zweisprachigen Erziehung
  • Psychische Ursachen, durch Partnerschaftskrisen, Erziehungsunsicherheiten, Trennung der Eltern, aber auch Überforderung ohne Erholungsphasen, sowie Stress.

Auch bei „normal“ sprechenden Kindern und Erwachsenen kann es unter Stress-Situationen zu einer „holprigen“ Redeweise kommen. Bei Kindern im Vorschulalter kann dies auch eine ganz normale Phase der Sprachentwicklung sein. Hier ist die richtige und verständnisvolle Reaktion der Bezugspersonen (Eltern, ErzieherInnen etc.) entscheidend in solchen Gesprächssituationen.

Die häufigsten Sprachstörungen im Überblick

Die Ausdrucksweise kann sehr unterschiedlich gestört sein:

  • Sprachentwicklungsverzögerung: Geistig normal entwickelte, hörende Kinder sprechen nicht, nur sehr wenig oder nicht altersgemäß. Meist liegt auch eine Kombination der genannten Sprachstörungen vor.
  • Dyslalie: Stammeln (Störungen der Aussprache): Laute bzw. Lautverbindungen oder -Gruppen werden weggelassen (Blume = Lume) und/oder durch andere ersetzt (Kopf = Topf; „Tindadaden“ = Kindergarten) und/oder falsch gebildet (schaukeln = Saukeln) Die Lautbildung gelingt nicht dem Alter des Kindes entsprechend.
  • Dysgrammatismus: Dieser Fachbegriff beschreibt die Unfähigkeit, die Sprache nach grammatischen Regeln richtig zu gebrauchen (z. B. falscher Satzbau, fehlende Satzglieder -> sog. Telegrammstil, unpassende Verbformen etc.).
  • Stottern: Störung des Redeflusses durch Laut-, Silben- oder Wortwiederholungen (Bsp: „k-k-k-kommen, ein Ge-ge-ge-heimnis) oder auch durch Hängen bleiben bei bestimmten Lauten, was eine Folge von Verkrampfungen der Sprechmuskulatur ist (stumme Pressversuche vor/während dem Reden).
  • Poltern: Damit ist eine zu hastige Sprechweise gemeint, die sich in undeutlicher Aussprache äußert, die bei langsamerem und kontrollierterem Sprechen nicht zu beobachten ist.
  • Lispeln (Sigmatismus): Eine bei Kindern häufig auftretende Artikulationsstörung, bei der „S“- Laute fehlerhaft gebildet werden (z. B. Zunge zwischen den Zähnen).
  • Eingeschränkter Wortschatz: Der Wortschatz des Kindes ist zu klein, d.h. es kann viele Dinge noch nicht altersgemäß benennen. Es verwendet Ausdrücke wie „das da“ und gebraucht für unterschiedliche Worte (z.B. für „Keks“, „Brot“ und „Löffel“) stets den selben Begriff („Happa“). Diese Störung tritt in der Regel nie einzeln auf, sondern häufig in Kombination mit Dyslalie und/oder Schwierigkeiten beim Grammatikerwerb.
  • Probleme bei zweisprachiger Erziehung: In Kindertagesstätten, Schulen etc. muss besonders auf die Entwicklungsmöglichkeit der Muttersprache ausländischer Kinder geachtet werden, weil durch eine Behinderung eine Verzögerung der Zweitsprache zur Folge haben kann. Hier dienen die Sprachfähigkeiten der Muttersprache als Grundlage für den Erwerb der Zweitsprache. Folglich ist die Muttersprache kein Hindernis für den Lernprozess der Deutschen Sprache. Darum sollten Eltern in der jeweiligen Muttersprache mit ihren Kindern sprechen, nach dem Prinzip: „Eine Sprache – eine Person“. So lernt das Kind leichter, beide Sprachen zu trennen und nicht zu vermischen.