Ein Besuch in der Laborschule Bielefeld

Das war eine völlig neue Erfahrung für uns wie sicher für alle SchülerInnen, die nur die normalen Schulformen kennen. Die ausführliche Darstellung des pädagogischen Konzepts mit vielen Beispielen aus dem Schulalltag durch die Schulleiterin erzeugte einiges Erstaunen und ungläubiges Nachfragen. In einem Rundgang durch die „Schule ohne Klassenräume“ malten wir uns das bunte Treiben in der Schulzeit aus. Das Erstaunen über die Möglichkeit einer solchen Schule blieb.

Laborschule Bielefeld – eine Alternative zur Regelschule

  1. 1. Allgemeines zur Laborschule
  2. 2. Besuch der Laborschule
  3. 3. Diskussionspunkte

Die Laborschule Bielefeld hat sich ein völlig neues Schulsystem angeeignet, in dem Lernen und Spaß vereint werden sollen. Doch bringt dieses denselben oder sogar besseren Lernerfolg als ihn uns Regelschulen bieten?

Hartmut von Hentig gründete 1974 die von Architekten und Pädagogen in Zusammenarbeit gestaltete Schule. Sie arbeitet eng mit der Universität Bielefeld zusammen und ist somit deutschlandweit die einzige ihrer Art. Diese außergewöhnliche Zusammenarbeit bietet eine ständige Evaluation und Selbstkontrolle.

Um die vielfältigen Persönlichkeiten der Kinder zu erhalten, werden die Jahrgänge nach einem bestimmten Aufnahmeschlüssel zusammengestellt.

Dabei werden folgende Punkte berücksichtigt:

  • 60 Kinder pro Jahrgang (30 Jungen, 30 Mädchen)
  • aus sozial schwachen und starken Familien
  • unterschiedliche Konfessionen
  • unterschiedliche Nationalitäten (keine Rassenvorurteile)

Durch diese Heterogenität soll ein Leben in der Gemeinschaft gefördert werden. Nach dem Prinzip : „Deine Freiheit beginnt da, wo meine aufhört.“

Die Schule basiert auf dem Grundsatz „Lernen durch Erfahrung, nicht durch Belehrung“. Dabei wird gelehrt Konflikte selbständig zu lösen. Hilfe bei nicht sofort lösbaren Problemen bietet die Versammlungsrunde am Anfang jeder Stunde. In dieser können sowohl neue Regeln beschlossen, als auch alte Regeln verbessert werden.

Die Laborschule arbeitet nicht mit dem Prinzip der Klasseneinteilung, sondern richtet sich nach einem eigens entwickelten Stufenmodell.

Dabei sind die zehn Klassen des üblichen Schulsystems in vier Stufen unterteilt:

Stufe 1: (0-2)

  • gemischt 5-7 Jährige
  • Gruppen aus 15 Kindern
  • viel individuelle Betreuung
  • ältere Kinder übernehmen Patenschaften für die jüngeren Schüler
  • die Kinder lernen voneinander
  • Unterricht findet nur bei einem Lehrer statt
  • Fächerübergreifender Unterricht
  • Tagespläne bzw. Wochenpläne

Stufe 2: (3-5)

  • Umzug ins neue Haus (genauere Formulierung, für Laien unverständlich. Idee??)
  • Werkstattunterricht
  • Ab 3ten Schuljahr Englisch
  • Hauptsächlicher Unterricht bei einem Lehrer
  • Für jedes Fach eine schriftl. Beurteilung des Lehrers
  • Stufe 3: (6-7)

    • wenig Lehrerwechsel
    • 2te Fremdsprache (Latein, Spanisch oder Französisch)
    • keine Fächer, sondern Erfahrungsbereiche:

      1. Umgang Menschen mit Menschen

      2. Umgang Menschen mit Sachen

      3. spielen, erfinden, gestalten

      4. Umgang mit Sprache und Gedachtem

      5. Umgang mit eigenem Körper

      6. Mathe in Richtlinien nicht extra erfasst

    Stufe 4: (8-10)

    • Jahrgangsarbeit
    • Wahl eines Leistungskurs (6 Stunden Unterricht in diesem Fach)
    • Praktikum

    Allgemein ist zu sagen, dass sich die Kinder während des Unterrichts nicht langweilen dürfen. Dieses Ziel wird erreicht, indem man den Kindern überlässt, was sie gerne lernen möchten. Um die Schüler dabei zu motivieren, bekommen sie eine Einschätzung der Lehrer über ihre Leistungen. Dabei kommt es vor allem darauf an, was in der Macht des Schülers stand und was er davon genutzt hat. Da Noten hierbei nicht zu einer gerechten Bewertung führen würden, wird auf sie vollständig verzichtet.

    Nur das Abschlusszeugnis besteht aus Noten, da die späteren Arbeitgeber nicht darauf verzichten wollen und können.

    Weitere Informationen über die einzelnen Stufen finden sich unter folgender Adresse.

    Unser Besuch in der Laborschule

    Der Besuch der Laborschule war für uns ein interessantes Erlebnis, da wir uns nicht vorstellen konnten, wie eine solche Schule funktionieren kann.

    Positiv überrascht waren die meisten über die Tatsache, dass das Menschliche im Vordergrund steht. So wie über die familiäre Atmosphäre, die an dieser Schule herrscht. Außerdem gefiel vielen die Vielfalt der Klassenfahrten und das Lernen von und miteinander. Zusätzlich auch die intensive und richtige Vorbereitung der Kinder auf das spätere, alltägliche Leben, so wie die ungezwungene Arbeitsteilung, welche Spaß am Lernen mit sich bringt.

    Zu diesem Schulsystem gab es aber auch negative Meinungen, die sich auf das Lernen in verschiedenen Altersgruppen beziehen. Sowie auf den „offenen Bau“ der Schule. Da so keine notwendige Ruhe herrschen könne. Auch der nicht vorhandene Leistungsdruck könnte sich später negativ auf die Arbeitswelt auswirken. Zudem wurde negativ gesehen, dass an der Schule keine Noten vergeben werden. Dadurch sinke der Druck auf die Schüler weiter.

    Fragen und Antworten

    Trotz unseres Besuchs der Laborschule blieben einige Fragen offen. Diese haben wir dann in unserem Pädagogikkurs zur Diskussion gestellt und konnten diese am Ende sogar eindeutig beantworten.

    1. Was haben die Eltern für einen Hintergrund bei der Schulsuche?

    Während unseres Aufenthalts in der Laborschule hatten wir ein sehr aufschlussreiches Gespräch mit einer jungen Mutter. Sie erklärte uns, dass sie für ihr Kind eine möglichst gute Schule suchen würde. In der Laborschule werden alle Veränderungen im Vorfeld genau ausgewertet und zudem noch wissenschaftlich begleitet. Zudem schnitt die Laborschule bei der PISA-Studie besser ab als die normalen Schulen. Zudem war sie nicht sehr von den Neuerungen der normalen Schulen überzeugt. Sie hat einfach Angst, dass ihr Kind als Versuchsobjekt verwendet wird. Sie wollte lieber auf die lange Erfahrung der Laborschule zurückgreifen.

    2. Können besonders intelligente Kinder auf der Schule besonders ausgiebig gefördert werden?

    Durch das individuelle lernen können alle Kinder an den Dingen arbeiten, zu denen sie gerade Lust haben. Besonders intelligente Kinder können also wesentlich schneller lernen als die anderen. Die Kinder bremsen sich nicht gegenseitig aus, indem sie Rücksicht auf die Lernschwächeren nehmen müssen.

    3. Wie werden die Schüler der Laborschule auf das spätere Berufsleben vorbereitet?

    Nach langer Diskussion wurde uns klar, dass man diese Frage nicht eindeutig mit ja oder nein beantworten kann, da jede Schule ihre Vor- und Nachteile besitzt. Wir denken jedoch, dass die Kinder durch eine große Anzahl von Praktika schon gut in die Berufswelt eingeführt werden.

    4. Was bringt die ständige Kontrolle durch die wissenschaftliche Begleitung?

    Eine Zusicherung der gewünschten Erfolge. Siehe Punkt zwei. Die Kontrolle bringt eine ständige Evaluation mit sich. Die Schule wird also ständig verbessert, zum Wohl der Kinder. Die Experimente zu besserem Lernen werden dabei wissenschaftlich begleitet, um sicher zu stellen, dass dabei keinerlei Rückschritte oder negative Auswirkungen für die Kinder entstehen.

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