Killerspiele – Anleitung zum Amoklauf?

Auf einer der größten deutschen eSport Community Websites haben wir einen unserer Meinung nach sehr zum aktuellen Thema passenden Artikel über die sogenannten „Killerspiele“ gefunden. Er gibt nicht nur die negativen Seiten der „Killerspiele“ wieder, sondern auch die positiven, die zurzeit in vielen News – absichtlich- ausgelassen werden. Außerdem beinhalten nicht nur die „Killerspiele“ gewaltverherrlichende Szenen, sondern auch viele Strategie- und Rollenspiele, allerdings sind diese nur mit einem FSK von 16 oder geringer eingestuft:

Hier der eSport-Community-Text:

„Erfurt, 26. April 2002, Gutenberg-Gymnasium. Der 19-jährige Robert Steinhäuser stürmt seine Schule und tötet bei seinem Amoklauf 16 Menschen und sich selbst.
Emsdetten, 20. November 2006, Geschwister-Scholl Schule. Ein 18-jähriger stürmt seine Schule, verletzt dort 37 Menschen, um sich schließlich selbst zu töten.

Zwei Jugendliche, zwei Schulen, zwei Amokläufe und zwei PCs. PCs? Ja, PCs! Und auf beiden war der Shooter Counterstrike installiert. Was hat nun das mit den Gewalttaten der beiden Jungen zu tun?

Eine schnell beantwortete Frage, wenn man den Politikern Glauben schenkt. Counterstrike, und diese anderen „Killerspiele“, damit haben die beiden Täter geübt, sie haben ihre Schule nachgebaut, sich ihre Lehrer auf den PC geholt und dann geballert, so oft, dass ihnen diese virtuelle Welt nicht mehr reichte und sie auch im richtigen Leben einmal dieses Gefühl haben wollten, eine Waffe in der Hand zu halten und damit auf lebende Menschen zu schießen. Und das ist die ganze Erklärung. Ein „Killerspiel“-Verbot und alle Probleme sind gelöst.
So sehen es die Politiker, aber so sehen WIR es nicht, und wir stehen nicht alleine da. Denn auch viele Experten sind der Meinung, dass man Emsdetten und Erfurt nicht miteinander vergleichen könne. Man muss beides als Einzelfall betrachten, mit ganz unteschiedlichen Faktoren, die dann zur Tat geführt haben. Das können Probleme im Umfeld der Beiden gewesen sein, psyschiche Probleme, Depressionen, Abgeschottetheit.

Jetzt fällt uns eins auf: Was haben denn diese Sachen mit Ballerspielen zu tun? Genau, nichts! Aber die Bevölkerung ist entsetzt, es werden schnelle Taten gefordert. Computerspiele sind da doch ein viel besserer Angriffspunkt, als psychische Krankheiten zu analysieren und sonstige Probleme im Umfeld aufzudecken. Dass mit einer schnellen Tat in Form eines Ego-Shooter-Verbots aber nicht nur die breite Bevölkerung befriedigt wird, sondern auch vielmehr tausende von Spielern um ihren Spaß gebracht werden und als potenzielle Gewalttäter dahingestellt werden, das wird nicht berücksichtigt. Und deswegen geht ein Ruck durch die Community. Denn die will sich nicht einfach bevormunden lassen und ihre Psyche mit der eines Amokläufers verglichen sehen. In etlichen Foren, in E-Mails und auf sonstigen Wegen ist ein Sturm entbrannt. Der Sturm wütender Spieler, die sich das nicht alles so gefallen lassen wollen, wie die Männer und Frauen an der Macht sich das denken. Warum sollte jemand, der ein Computerspiel wahrscheinlich noch nicht einmal aus der Entfernung gesehen hat, entscheiden können, ob so ein „Killerspiel“ nun von Jugendlichen ferngehalten werden muss.

Man verlässt sich in dieser Hinsicht einfach auf die vagen Stichpunkte, die man hier und dort und in diesem und jenem Bericht aufgeschnappt hat. Blut, Morde, Rumgeballer, Kettensägen, zerstückelte Menschen. Das muss doch verboten werden! Das bei diesen Beispielen gerade aber die Extremfälle der Szene ausgewählt wurden, das steht nirgendwo. Nur wenig hört man von Story, Denkaufgaben, Geschicklichkeit, Logik, Teamplay etc.. Stichwort Teamplay, man liest nirgendwo von dem Sport, der mit den Games betrieben wird. Dass sich schon große Ligen gebildet haben und es Turniere gibt. So etwas werdet ihr sicher nicht hören, wenn ihr eure Eltern oder sonst jemanden fortgeschrittenen Alters nach diesem Thema befragt. Ihr werdet wohl eher hören, was auch in jeder Nachrichtensendung zu finden ist, nämlich, dass diese Spiele die jungen Menschen abstumpfen, dass sie sie zu Einzelgängern werden lässt, deren Gewaltbereitschaft mit jeder Spielminute wächst und wächst.

Gegen diese Klischees, die sich vor allem auf Grund des Abstands der meisten Erwachsenen diesem Thema gegenüber herausgebildet haben, muss man ankämpfen. Sprecht mit euren Eltern, Lehrern, allen die diese Vorurteile teilen und macht ihnen klar, was diese Spiele für euch bedeuten, worum es euch wirklich geht, und dass ihr durch sie nicht zu durchgeknallten Irren werdet. Nehmt euch wirklich Zeit dabei, überlegt euch vielleicht vorher ein paar gute Argumente, denn ein einfaches: „Ach, das ist doch Quatsch!“, oder „Nein, die erzählen nur Mist in diesen Berichten!“ wirkt nicht unbedingt sehr überzeugend. Ihr müsst euch im klaren darüber sein, dass die Person, mit der ihr redet, vorher schon mit tausenden Fakten (ob wahr oder falsch) überschüttet wurde, die gegen diese „Killerspiele“ sprechen.

Ich hoffe, dass ich euch etwas ermuntern konnte, nicht nur einfach zuzusehen, wie Menschen, die im Grunde genommen keine Ahnung haben einfach den Großteil der Spiele, die wir fast alle gerne spielen (ohne dabei gleich durchzudrehen) einfach zu verbieten. Das war’s dann von meiner Seite. Über ein paar Kommentare, in denen ihr eure Sicht zu diesem Thema schildert, würde ich mich sehr freuen.“

Quelle: www.dslash.de