Interview mit Ulla Gustafsson

Ulla GustafssonUlla Gustafsson hat zusammen mit Anna Toorzen die 19 schwedischen Schülerinnen und Schüler aus Varnamo begleitet, die eine Woche lang in Blomberg waren. Die beiden Schulen, die Apladalsskolan und das Hermann-Vöchting-Gymnasium, möchten eine dauerhafte Schulpartnerschaft aufbauen. Am Ende des Blomberg-Besuchs interviewten wir Ulla Gustafsson.

Du kennst Deutschland sehr gut. Hast du in Blomberg und in Lippe noch etwas Neues entdeckt?

Ja hab ich. Ich war zwar zu einer Lehrerfortbildung schon einmal in Bad Salzuflen, aber Blomberg kannte ich noch nicht. Ich war jetzt auch in Hameln, weil ich die Rattenfängergeschichte aus einem unserer Schulbücher kannte.

Ich finde die Fachwerkhäuser hier in den Städten so schön, ich kann mich daran nicht sattsehen. Was ich heute vom Blomberger Bürgermeister gelernt habe: Blomberg und Varnamo sind sich ja sehr ähnlich, von der Einwohnerzahl her, aber auch von den Arbeitsplätzen, bei uns gibt es auch viele Klein- und Mittelbetriebe, auch Holzindustrie, also da gibt´s viele Gemeinsamkeiten.

Ist die Apladalsskolan eine ähnlich große Schule wie das HVG?

Wir haben die Klassen 6 bis 9 jeweils vierzügig. Die Kinder gehen in Schweden gemeinsam 9 Jahre zur Grundschule, aber die ist noch einmal unterteilt. Nach der 9. Klasse gehen 98 Prozent zur Gymnasialschule. Dort gibt es viele verschiedene Zweige und vier Grundausrichtungen. Dazu gehört auch der Berufsschulzweig.

Du hast in den letzten Tagen einige Eindrücke von unserer Schule gewonnen. Welche Unterschiede zu eurer Schule sind dir aufgefallen?

Wir duzen uns in unserer Schule. Auch der Schulleiter wird von den Schülerinnen und Schülern geduzt. Das ergibt einen offeneren Umgang miteinander. Das ist ein großer Unterschied.

Ein äußerer Unterschied ist auch, dass die Schüler ihre Jacken mit im Klassenraum haben. Bei uns hat jeder seinen eigenen Schrank. Limonade und Getränke dürfen unsere Schüler nicht mit in den Klassenraum nehmen. Essen und Trinken können alle in der Mensa. Die ist für alle  kostenlos.

Auch die grünen Tafeln mit Kreide haben wir schon lange nicht mehr. Wir haben White-Boards und jetzt nach dem Neubau sogar in allen Räumen Smart-Boards.

Ich finde, die Schüler arbeiten bei euch sehr gut, schon in der 5. Klasse haben die  gegenseitig gut ihre Beiträge beschrieben. Ich glaube, auch die Handschrift ist besser. Aber ich habe nicht sehr viel Unterricht miterleben können.

Und ich habe das Gefühl, dass die Lehrer hier noch mehr arbeiten als bei uns – und die arbeiten bei uns schon zu viel.

Seit den PISA-Vergleichsstudien gelten die schwedischen Schulen bei uns als eine Art Vorbild. Wo siehst du eure besonderen Stärken?

Vielleicht in den intensiven Gesprächen zwischen Lehrern, Schülern und Eltern, die für jeden Schüler zweimal pro Jahr stattfinden. Die Schüler müssen ihre Leistungen auf einer Skala selbst beurteilen und müssen schreiben, ob sie damit zufrieden sind oder nicht.  Der Lehrer schreibt seine Beurteilung dazu.

Die Unterlagen werden dann nachhause geschickt, damit das gemeinsame Gespräch vorbereitet werden kann. In dem Gespräch wird dann vor allem überlegt, wie es weiter gehen kann, um sich zu verbessern. Alle brauchen in den Hauptfächer Schwedisch, Englisch und Mathematik mindestens ein „G“ für „genügend“, um auf das Gymnasium gehen zu können. Wer das nicht schafft, kann aber auch ein zusätzliches Förderjahr an der Gymnasialschule machen.

Welche Auslandskontakte hat eure Schule?

Wir haben viele Schülerinnen und Schüler aus dem ehemaligen Jugoslawien. Deshalb unterstützen wir auch eine Schule in Sarajewo. An einem Tag pro Jahr arbeiten alle Schülerinnen und Schüler irgendwo, in einem Betrieb oder vielleicht auch zuhause, und verdienen sich dabei Geld, was dann für die Schlule  in Sarajewo gespendet wird.

Wir haben auch gute Kontakte nach Polen. Wir waren zum Beispiel mit Schülern in Warschau und Krakau, dann auch in Auschwitz und haben da mit einem ehemaligen Häftling gesprochen. Auf der Rückfahrt waren wir in Berlin. Das war schon sehr beeindruckend. das haben wir bereits zweimal gemacht.

Siehst du Chancen für eine dauerhafte Partnerschaft zwischen unseren Schulen?

Das sieht gut aus. Aber es muss immer enagierte Lehrerinnen und Lehrer geben, die das zu ihrer Sache machen – wie jetzt Anna Tozen bei uns und Irina Farchmin bei euch. Die Schulleitungen wollen das.  Und es hängt auch immer davon ab, ob es finanziert werden kann. Wir haben jetzt zum Beispiel Unterstützung von der Stiftung  „Folke Bernadotte“ bekommen. Ich hoffe sehr, dass wir eine Schulpartnerschasft aufbauen können

Ulla, vielen Dank für das Gespräch und gute Rückreise nach Varnamo.

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