Schülerinnen der 5c interviewen Frank-Walter Steinmeier

„Dürfen wir den Herrn Steinmeier auch interviewen?“ fragten ganz vorsichtig Felicitas Pelz und Sarah Lange, als sie im Politikunterricht vom Besuch des ehemaligen deutschen Außenministers in seiner alten Schule erfuhren. Die Klasse 5c hatte im Politikunterricht den Auftrag, eine eigene Video- oder Radio-Nachrichtensendung zu produzieren. Da ihr Politiklehrer den Besuch von Frank-Walter Steinmeier in der Schule organisierte, war schnell die Zustimmung des persönlichen Referenten zu einem Interview in der Pausenhalle eingeholt.

Schnell waren sechs Fragen aufgeschrieben. Felicitas wollte die Fragen stellen und Sarah fotografieren. Als die beiden dann ab 12.30 Uhr in der Pausenhalle warteten, stieg doch die Aufgeregtheit von Minute zu Minute.

Plötzlich kam ein Tross von Leuten durch die Eingangstür, vorweg Sicherheitsbeamte des Bundeskriminalamtes, und er war da, begrüßte alle mit einem freundlichen „Hallo“, fragte nach den Klassen und ließ sich sofort mit Schülerinnen der 5c fotografieren. Sarah und Felicitas wurden ihm vorgestellt und er setzte sich Felicitas gegenüber auf einen grünen Sitzwürfel.

Hier nun das Interview:

Frage: Welche Erinnerungen haben Sie an ihre Schulzeit hier in Blomberg?

FWS: Am Anfang war das nicht so einfach. Ich kam vom Dorf, aus Brakelsiek, da wurden noch mehrere Schuljahre gleichzeitig in einem Klassenraum unterrichtet. Dann hier in der Stadt am Gymnasium auch mit 46 Schülern in der 5. Klasse. Da sollte natürlich weiter gesiebt werden. Also, der Anfang war schon schwer.

Frage: Haben Sie einen oder mehrere Lieblingslehrer gehabt?

FWS: (..nachdenklich …) Gerne hab ich Deutsch und Geschichte gemacht, nicht so gerne Mathe und Physik (lacht). Mein letzter Klassenlehrer war Herr Oeynhausen. Viel gelernt haben wir bei Frau Uhlmann in Deutsch. Die hatte auch einen Blick für Schüler, die es nicht ganz so leicht hatten.

Frage: Wollten Sie von Anfang an Politiker werden?

FWS: Nein, eigentlich wollte ich Rechtsanwalt werden. Ganz am Anfang wollte ich Sportjournalist werden, dann lange Zeit Architekt, aber dann habe ich doch Jura studiert und wollte Rechtsanwalt werden. Der Beruf „Politiker“ war anfangs garnicht geplant.

Frage: Ab wann sind Sie Politiker?

FWS: Seit 1990, kurz nach der Wiedervereinigung, da hatte ich das Gefühl, an den Veränderungen mitwirken zu können. In den ersten Jahren war ich in Hannover als Leiter der Staatskanzlei mit dem Ministerpräsidenten Gerhard Schröder tätig, ab 1998 dann in der Bundesregierung, schließlich als Außenminister und Vizekanzler.

Frage: Sind Sie jetzt gerne Fraktionsvorsitzender im Bundestag?

FWS: (lacht) Noch lieber wäre ich was anderes. Bei den Wahlen bewirbt man sich natürlich, um zu regieren. Erst recht, wenn man, wie die SPD, 11 Jahre regiert hat und manches auf den Weg gebracht hat. Aber die Opposition ist auch sehr wichtig für die Kontrolle der Regierung und um bessere Vorschläge zu machen.

Frage: Fehlt Ihnen die Tätigkeit als Außenminister?

FWS: Ja, da fehlt mir was. Ich habe als Außenminister viele Menschen in aller Welt kennen und schätzen gelernt. Viele Menschen mit Problemen natürlich auch, mit denen ich nach Verbesserungen gesucht habe: In Israel und Palästina, in Afrike, in der Türkei oder in Afghanistan. Aber auch in der neuen Aufgabe versuche ich das weiter. Gut, ich reise nicht mehr so viel. Da habe ich glücklicherweise etwas mehr Zeit für meine Familie. Meine Tochter freut das,  die ist 14, etwas älter als ihr.

Herr Steinmeier, vielen Dank für das Interview.