Erinnerung an Auschwitz – Geschichte verstehen, Zukunft gestalten. HVG nimmt an Gedenkveranstaltung teil

Am 27. Januar nahmen die Klassen 10a und 10d gemeinsam mit Herrn Witkop, Herrn Schröder und Frau Kortemeier an der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Holocaust am Jüdischen Friedhof in Blomberg teil. Unsere Schule erinnerte dort gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern der Stadt, dem Bürgermeister Christoph Dolle, den Kirchengemeinden vertreten durch Pastor Jörg Deppermann sowie Schülerinnen und Schülern der Sekundarschule an die Menschen, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ermordet wurden.

Insgesamt waren rund 80 Teilnehmende anwesend. Der Bürgermeister der Stadt Blomberg eröffnete die Veranstaltung mit einer eindrucksvollen Rede, in welcher er die Bedeutung des Erinnerns für die heutige Gesellschaft betonte.  Pastor Deppermann betonte in seiner Ansprache besonders die Menschlichkeit und die Wichtigkeit von Nächstenliebe.

Ein besonderer Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf den Beiträgen unserer sechs Schülerinnen und Schüler – erstmalig aus der Jahrgangsstufe 10 -, die sich in ihren Beiträgen mit der Täterperspektive auseinandersetzten. Informationen dafür hatten sie vorher bei der Exkursion zur Wewelsburg gesammelt, die im Rahmen einer Gedenkstättenfahrt am 16.01.2026 besucht worden war. Hier konnten sich die 10. Klassen intensiv mit der nationalsozialistischen Ideologie, der Rolle der SS und den Mechanismen von Ausgrenzung und Gewalt auseinandersetzen. Thematisiert wurden in den Beiträgen unter anderem die Rolle der SS und der Wewelsburg, die Ideologie und das Weltbild der Nationalsozialisten sowie das Handeln und die Verantwortung der Täter im Holocaust. Anhand der Biografie des Täters Adolf Haas wurde deutlich gemacht, welche Handlungsspielräume bestanden und wie Täter nach 1945 mit ihrer Verantwortung umgegangen sind.  Durch die Auseinandersetzung mit den Lebenswegen der Täter wird sichtbar, wie Indoktrinierung und Dehumanisierung funktioniert haben und auch heute noch funktionieren.

Diese Erkenntnisse mahnen uns, frühzeitig gegen Ideologien von Hass und Ausgrenzung einzutreten. Orte des Gedenkens erinnern nicht nur an die Opfer, sondern verdeutlichen auch unsere Verantwortung in der Gegenwart. Es bleibt unsere Aufgabe aus der Geschichte zu lernen, wachsam zu bleiben und Werte wie Menschlichkeit, Mitgefühl und Gerechtigkeit aktiv zu leben, damit das Gedenken an die Opfer lebendig bleibt und die Verhinderung der Wiederholung einer solchen Zeit gesichert wird.

 

 

Die Schülerbeiträge im Einzelnen findet ihr hier:

Auch von uns ein herzliches Willkommen zur heutigen Gedenkveranstaltung auf dem jüdischen Friedhof in Blomberg.

Wir sind Herr Witkop, Frau Kortemeier, Leon, Fayzah, Manuel, Josephine, Anton und Lena aus den zehnten Klassen des Hermann-Vöchting-Gymnasiums.

Am heutigen Gedenktag möchten wir nicht nur an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern, sondern auch über die Täter sprechen. Denn um das Ausmaß von Leid, Gewalt und Mord zu begreifen, ist es wichtig zu verstehen, wer diese Verbrechen begangen hat und aus welchen Motiven heraus sie handelten. Die Täterperspektive hilft dabei, die Mechanismen zu erkennen, die den Holocaust möglich gemacht haben.

Eine besonders zentrale Rolle spielte dabei die SS. Die Abkürzung SS steht für Schutzstaffel. Sie wurde 1925 gegründet und sollte zunächst Adolf Hitler schützen. Mit der Zeit gewann die SS jedoch immer mehr Macht und Einfluss. Besonders schlimm ist ihre Verantwortung für den Holocaust: SS-Mitglieder waren maßgeblich an der Verfolgung, Verschleppung und Ermordung von Millionen Menschen beteiligt. Sie arbeiteten in Konzentrations- und Vernichtungslagern und sorgten dort für unmenschliche Bedingungen.

Im Rahmen unserer Exkursion zur Wewelsburg haben wir uns intensiver mit der Rolle der SS beschäftigt. Die Wewelsburg ist ein Renaissance-Schloss bei Paderborn. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde sie zu einem ideologischen Zentrum und Schulungsort der SS umgebaut. In ihrer Nähe befand sich außerdem das Konzentrationslager Niederhagen. Im Nordturm der Wewelsburg wurde der sogenannte SS-Obergruppenführersaal, mit nordischen Symbolen errichtet, im darunterliegenden Keller eine Gruft zur Ehrung verstorbener SS-Führer. Doch wer waren die Menschen, die hinter diesen Orten und Verbrechen standen?

Teil B – Täterbiografie: Adolf Haas

Ein Beispiel für einen Täter ist Adolf Haas. Er wurde am 14. November 1893 in Siegen geboren. Nach seiner Schulzeit absolvierte er eine Ausbildung zum Bäcker und Konditor. Im Oktober 1913 trat er in die deutsche Marine ein und geriet bereits zu Beginn des Ersten Weltkriegs im März 1914 in japanische Kriegsgefangenschaft, in der er bis 1920 blieb.

Nach seiner Rückkehr eröffnete er eine eigene Bäckerei, die er jedoch 1935 schließen musste, da er aufgrund seiner Tätigkeit für die SS nicht mehr selbstständig arbeiten durfte. Bereits 1922 hatte er Lina Müller geheiratet, mit der er drei Kinder bekam. Nach außen führte Adolf Haas ein bürgerliches Familienleben – ein starker Gegensatz zu seiner tatsächlichen Tätigkeit.

Am 1. Dezember 1931 trat er der NSDAP bei, am 1. April 1932 folgte der Eintritt in die SS. Dort machte er schnell Karriere: 1933 wurde er Führer eines SS-Sturms. Im Juni 1940 wurde er zur Wewelsburg versetzt, im September 1941 übernahm er das Amt des Lagerkommandanten im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

Zeitzeugen beschrieben Adolf Haas als brutal und unberechenbar. Er missbrauchte seine Macht und zwang jüdische Häftlinge unter anderem dazu, Bilder für ihn zu malen, die er später verschenkte. Im März 1945 verließ er Bergen-Belsen in Richtung Hamburg und galt danach als vermisst. Erst am 18. August 1950 wurde er offiziell für tot erklärt – bis heute ist unklar, wann und unter welchen Umständen er starb.

Teil C – Ideologie und Weltbild der SS

Das Denken der SS-Täter war stark ideologisch geprägt. Zentrale Überzeugungen ihres Weltbildes waren ein extremes Rassendenken, der Antisemitismus und die Vorstellung einer sogenannten Volksgemeinschaft. Die eigene „Rasse“ wurde als überlegen betrachtet, alle anderen als minderwertig oder gefährlich. Absolute Loyalität zu Adolf Hitler galt als oberstes Prinzip.

Gewalt und Mord wurden von SS-Mitgliedern ideologisch gerechtfertigt. Sie sahen sich selbst als diejenigen, die die Gesellschaft „reinigen“ müssten, indem sie Menschen, die sie als „schädlich“ betrachteten, ausgrenzten, verfolgten oder ermordeten.

Symbole, Rituale und Mythen spielten dabei eine große Rolle. Orte wie die Wewelsburg dienten dazu, eine eigene Realität aufzubauen und die angebliche historische und gesellschaftliche Bedeutung der SS zu unterstreichen. Uniformen, Runen, Feiern und Schulungen stärkten das Gemeinschaftsgefühl. Außerdem wurden Bücher und Schriften verfasst, um andere Gruppen gezielt zu diffamieren und zu entmenschlichen.

Teil D – Aufgaben der SS und weiteres Täterbeispiel

Die SS war im Holocaust unter anderem für die Verwaltung der Konzentrationslager, deren Bewachung und für massive Gewalt bis hin zum Mord verantwortlich. SS-Männer und -Frauen waren zentrale Akteure des Terrorsystems.

Ein weiteres Beispiel ist Bernhard Frank. Er wurde 1913 geboren und trat 1933 der SS bei. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der SS-Schule Haus Wewelsburg und studierte Germanistik und Volkskunde an der Universität Münster. 1939 wurde er zu den SS-Totenkopfverbänden kommandiert, die für die Bewachung der Konzentrationslager zuständig waren.

Im Dezember 1940 kehrte er für kurze Zeit nach Wewelsburg zurück. Später wurde er Ordonnanzoffizier im Stab des Reichsführers SS. 1943 führte er eine SS-Flakabteilung, im Sommer desselben Jahres wechselte er auf den Obersalzberg. Im Mai 1945 wurde er von amerikanischen Truppen festgenommen und blieb bis Anfang 1948 in Haft.

Neben diesen Täterbiografien dürfen wir jedoch nicht vergessen, was den Opfern widerfuhr. Auf der Wewelsburg wurde uns die Geschichte eines jüdischen Jungen erzählt, der ein deutsches Mädchen mit einem Schneeball abgeworfen hatte. Der Vater des Mädchens war SS-Mitglied. Der 15-jährige Junge wurde daraufhin verhaftet und im Konzentrationslager Niederhagen öffentlich gehängt. Diese Geschichte zeigt, wie willkürlich und grausam das System funktionierte.

Teil E – Handlungsspielräume der Täter

Eine zentrale Frage lautet: Hatten SS-Täter überhaupt Handlungsspielraum oder folgten sie nur Befehlen? Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten, da sie stark vom Einzelfall abhängt.

Einerseits herrschte ein extremer Befehlsgehorsam. Die Missachtung von Anweisungen konnte hart bestraft werden. Die ideologische Schulung war sehr intensiv, und manchen war beim Eintritt möglicherweise nicht bewusst, worauf sie sich einließen.

Andererseits gab es einen regelrechten „Wettbewerb“ um Härte und Brutalität. Viele Gewalttaten geschahen freiwillig. Befehle waren oft sehr allgemein formuliert, sodass die Art der Ausführung den Tätern überlassen blieb. Übermäßige Gewalt wurde nicht bestraft, sondern häufig sogar belohnt.

Zusammenfassend lässt sich sagen: In einigen Fällen mag Unwissenheit oder Zwang eine Rolle gespielt haben, doch vielen Tätern war bewusst, was sie taten. Brutalität und Skrupellosigkeit gehörten zur Normalität innerhalb der SS.

Teil F – Abschluss und Bedeutung für heute

Indem wir die Biografien und den Werdegang der Täter analysieren, erkennen wir Mechanismen der Indoktrinierung und der Dehumanisierung. Diese Erkenntnisse zeigen uns, wie wichtig es ist, frühzeitig gegen Ideologien von Hass und Intoleranz vorzugehen.

Nur wenn wir wachsam bleiben und Werte wie Menschlichkeit, Mitgefühl und Gerechtigkeit hochhalten, können wir verhindern, dass sich solche Verbrechen wiederholen. Die Wewelsburg ist deshalb nicht nur ein Ort der Erinnerung an die Opfer, sondern auch ein Mahnmal für Verantwortung.

Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, aus der Geschichte zu lernen und das Gedenken an die Opfer lebendig zu halten.