Grundlagentext: Aspekte der kognitiven Entwicklung nach Jean Piaget

Jean Piaget war ein Schweizer Psychologe (1896 -1980) und war Hauptvertreter der Entwicklungspsychologie. Er befasste sich mit der Entwicklung kognitiver Strukturen beim Kind sowie mit erkenntnistheoretischen Fragen.

Zuerst wären die wesentlichen Grundbegriffe der Theorie zu erwähnen, um folglich die Zusammenhänge besser verständlich machen zu können. Hierbei handelt es sich um die „Assimilation“ und die „Akkomodation“.

Wird etwas Neues gelernt, ist es von großer Bedeutung, dass ein Gleichgewicht zwischen dem schon Bekannten und den neuen Erfahrungen angestrebt wird.

Bei der Assimilation wird das neu Wahrgenommene an díe vorhandenen kognitiven(Verstand) Strukturen angepasst.

Die Akkomodation bedeutet, dass die kognitiven Strukturen so verändert werden, dass das neu Wahrgenommene zu ihnen passt. Beide Abläufe finden gleichzeitig statt und ihre Auswirkungen sind dauerhaft. Änderungen ergeben sich in Abhängigkeit von persönlichen Erfahrungen. Ein weiterer wichtiger Begriff wäre „affektiv“ (gefühlsbedingt). Wird etwas „internalisiert“, so wird es aufgenommen und geht in die eigene Persönlichkeit ein.

Die Stufenlehre Piagets

Die sensomotorische Stufe umfasst die ersten zwei Lebensjahre eines Kindes. Es lernt interessante Erfahrungen auszudehnen. Außerdem kann an Kind in dieser Phase Dinge selber bestimmen. Kinder nehmen sich selbst als selbständige Objekte wahr.

Die präoperationale Stufe umfasst das dritte bis fünfte Lebensjahr. In dieser Stufe erlernt das Kind eigene Konzepte zu entwickeln, welche oft noch falsch oder unvollständig sind.

In der präoperationalen Stufe, welche das dritte bis fünfte Lebensjahr umfasst, lernt ein Kind sich in andere hineinzuversetzen. Ein Kind kann bereits Reihenfolgen bilden, aber noch keine Schlüsse daraus ziehen.

In der intuitiven Phase, welche sich vom fünften bis zum achten Lebensalter erstreckt, lernt ein Kind beispielsweise Objekte in Kategorien einzuteilen. Außerdem beginnt hier der Umgang mit Zahlen.

Es erfolgt eine langsame Schlussfolgerung von Eindrücken und Wahrnehmungen und logische Beziehungen werden miteinander verknüpft. Auch das Prinzip der Erhaltung wird in dieser Phase angeeignet.

In der Stufe der konkreten Operationen,welche das achte bis zwölfte Lebensjahr umfasst,entwickelt ein Kind verschiedene Operationen. Es lernt mit logischen Denkabläufen umzugehen.

Ein Kind erkennt zum Beispiel, dass Auto + Lkw zusammen ein Transportmittel ergeben.

Diesen Vorgang bezeichnet man als Komposition.

Außerdem begreift das Kind die Austauschbarkeit, d.h. A + B = C oder B + A = C ist auch für das Kind das Gleiche.

Das Kind hat in dieser Stufe trotzdem noch Probleme mit hochabstraktem Denken umzugehen. In der Stufe der formalen Operationen, welche das elfte bis vierzehnte Lebensjahr umfasst, kann das Kind logische Schlüsse ziehen, interpretieren und Hypothesen entwickeln.

Zusätzlich lernt das Kind in logischen Sätzen zu denken, z.B. S1 oder S2 kann wahr sein, aber nicht beide zusammen. Außerdem lernt das Kind Oberbegriffe zu bilden.

In Bezug auf die mathematischen Begriffe erwerben die Kinder den Zahlbegriff von sich aus. Dieses passiert meistens unabhängig und spontan. Ein richtiges Verständnis stellt sich jedoch erst mit der weiteren geistigen Entwicklung ein.

Zum Beispiel können Kinder Gegenstände, die in der Reihe angeordnet sind, zählen. Nicht aber, wenn sie durcheinander angeordnet sind. Wenn das Kind die Vorstellung für den projektiven Raum ausbildet, konstruiert es auch den euklidischen Raum. Dieses baut aufeinander auf.

Kritik an Piagets Stufenlehre Psychologen der heutigen Zeit haben ihre Meinung an dem Ablauf der menschlichen Entwicklung geändert. Jean Piaget war der Meinung, dass Kinder altersabhängige Stufen durchlaufen, bei denen keine übersprungen werden darf. Er entdeckte, dass Kinder im Alter von acht Jahren das Stadium der „konkreten Operation“ erreichen, welche das Erhaltungsprinzip beinhaltet. Dort wurde herausgefunden, dass 8-Jährige bereits begreifen, dass, wenn eine Wassermenge von einem Gefäß in ein anderes schmaleres Gefäß gegeben wird, diese erhalten bleibt. Die Stufenleiter geht bis bis zum Erwachsenenalter.

Jedoch haben heutige Erkenntnisse ergeben, dass Piagets Stufen-Schema lückenhaft ist. Manche Kinder sind schon viel früher in der Lage die Konstanz von Flüssigkeiten und Gegenständen wahrzunehmen.

Der Schwerpunkt der heutigen Forschung liegt auf dem Untersuchen von Gedächtnis und sozialer Integration eines Kindes. Diese Dinge lassen sich nicht durch das Alter bestimmen, sondern durch die Qualität und Beeinflussung seiner Umwelt.