Breslau – Flucht und Vertreibung

Während des Krieges passierte in Breslau nie etwas Ernsthaftes. Es gab zwar regelmäßigen Fliegeralarm, aber Bomben sind nur wenige eingeschlagen. Essen und Kleidung bekam man nur gegen Marken, die verteilt wurden. Diese konnte man in Geschäften gegen die nötigen Güter eintauschen. „Das Leben musste weitergehen“, erzählte Frau H.

Sie war zu Ende des 2.Weltrieges noch jugendlich, als das Schreiben zur Zwangsumsiedlung nach Deutsch-Lissa im Briefkasten lag. Von der ehemaligen Hauptstadt Schlesiens dorthin waren es gute 50 Kilometer.

Mit dem Gedanken,ihre Heimat nie wieder zu sehen, zogen die Flüchtlinge mit ihrem Hab und Gut nach Deutsch-Lissa.

Dort wurden sie zu Hunderten auf Viehwaggons geladen. Es begann eine Fahrt ins Ungewisse.

Sie fuhren in Richtung Norden. Es gab kaum Nahrung und kein sauberes Trinkwasser. „Wir haben aus Pfützen getrunken“, sagte Frau H.

Immer wenn der Zug anhielt, wurden die Verstorbenen, die den Strapazen nicht stand gehalten hatten, aus dem Zug gebracht. Die hygienischen Unstände waren sehr schlecht.

Nach vier Wochen kamen die Flüchtlinge auf Piero, einer Ostseeinsel, an. Frau H.: „Wir waren sie einzige Familie von unserem Waggon, die überlebt hatte.“ Tatsächlich haben nur wenige Flüchtlinge die strapaziöse Fahrt überlebt.

Auf Piero waren die Umstände nicht viel besser. Die Flüchtlinge mussten in Strandkörben, geplagt von Flöhen und Läusen, übernachten. Es gab täglich ein Stück Brot und Zuckerrübenschnitzel.

Frau H. verbrachte mit ihrer Mutter, ihrem Vater und ihrem Bruder etwa ein Jahr auf der Insel. Danach kamen sie nach Thüringen ins Flüchtlingslager. Dort waren die Verhältnisse schon viel besser.

Wegen der völlig verrückten Ideen eines einzigen Mannes mussten Tausende Menschen in ganz Europa ihre Heimat verlassen. Das hätte alles vermieden werden können. Das meinen die Betroffenen heute.