Hohenschönhausen – pechschwarze Seiten der DDR

Die Klasse 10a berichtet von ihrer Klassenfahrt nach Berlin im Jahre 2006

Demütigung, Folter, Zeit! Genutzt, um einen Menschen systematisch zu zerstören! Das war die grausame Wahrheit, die wir bei unserer eindrucksvollen Führung durch das ehemalige Berliner Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen kennenlernten….
Am 2. Tag unserer Klassenfahrt besuchten wir Hohenschönhausen und erhielten einen intensiven Eindruck pechschwarzer Seiten der ehemaligen DDR mit ihrem Staatssicherheitsdienst (Stasi)..

Bevor die Führung begann, wurde uns ein einleitender Film gezeigt über die Geschehnisse hinter den Mauern des Gefängnisses, das nach dem Einmarsch der russischen Truppen in Berlin zunächst vom russischen Geheimdienst eingerichtet worden war. Dieses Gefängnis wurde dann vom DDR-Staatssicherheitsdienst übernommen. Oppositionelle, missliebige Personen und sogenannte Republikflüchtlinge verschwanden hinter diesen Mauern.

hohenschönh1.jpgDann lernten wir Mario Röllig (Bild links) kennen, der uns für den Rest des Nachmittags durch die Gemäuer des Gefängnisses führen sollte. Zu unserer Verwunderung war er einst selbst Häftling in dieser Anstalt. Er hatte versucht, die DDR über die „grüne Grenze“ nach Ungarn zu verlassen. Als 19-Jähriger war er inhaftiert worden und den dort üblichen Druck- und Psychoterrormethoden ausgesetzt gewesen.
Die erste Station bei der Führung war das „U-Boot“, welches seinen Namen dadurch erhielt, dass es ein feuchter Kellertrakt war, in den die neuen Häftlinge direkt nach ihrer Ankunft gebracht wurden. Die Zellen in diesem Gebäude waren sehr eng und nur mit einer Holzpritsche und einem Eimer für die Notdurft ausgestattet, außerdem hatten sie keine Fenster, was auch zum Namen „U-Boot“ beitrug. Des weiteren gab es Räume, in denen mit physischer Folter ein Geständnis erzwungen werden sollte. Selbst Grundschulkinder wurden dort eingesperrt und nicht besser behandelt als Erwachsene. Wir hatten die Möglichkeit uns die Zellen genau anzuschauen und einen Eindruck der beängstigenden und unmenschlichen Lebensbedingungen der Insassen zu erlangen.

Da hier durch die erbärmliche Versorgung und durch den brutalen Umgang mit den Gefangenen zu viele Menschen starben, entwickelte die STASI eine neue Methode, Menschen zum Reden zu bringen ohne äußerlich sichtbare Schäden zu hinterlassen (wie z.B. Narben). Es wurde ein neueres „humaneres“ Gebäude errichtet, in dem die Zellen größer und besser ausgestattet und sogar mit einem Fenster versehen waren. Körperliche Folter gab es von da an gar nicht mehr, doch die neuen Methoden wirkten keinesfalls menschlicher auf uns.

Von da an begann die Zeit des Psychoterrors! Keine Privatsphäre, keine Menschlichkeit, keine Ablenkung! Menschen wurden ihre Identitäten genommen! Die Gefangenen mussten immer im Kreis gehen oder sich auf einen Schemel zu setzen ohne sich anzulehnen oder abzustützen. Die Nächte wären nötig gewesen, um neue Kräfte für den nächsten Tag zu sammeln. Doch selbst das wurde ihnen nicht gegönnt. Durch Schlafentzug sollte ihr Wille gebrochen werden. Die einzige Möglichkeit, mit einem anderen Menschen zu reden, waren die ständigen Verhöre, die nach einiger Zeit als freudige Abwechslung zum Alltag empfunden wurde.

Wir könnten euch jetzt noch seitenlang berichten, was wir dort für schreckliche Dinge in Erfahrung gebracht haben, aber wir sind nicht ansatzweise in der Lage, dem Vortrag von Mario Röllig gerecht werden. Seine emotionalen Erzählungen und persönlichen Erfahrungen haben uns alle (wirklich alle!) sehr berührt und zum Nachdenken gebracht. Einigen standen sogar die Tränen in den Augen… Erst recht, als er berichtet, dass viele Täter, z.B. Stasi-Offiziere oder der Anstaltsarzt, nach der Wende beruflich wieder „die Treppe hinaufgefallen“ sind.
Nähere Informationen findet ihr unter www.stasiopfer.de oder unter auf verschiedenen anderen Seiten, hier u.a. mit Fotos .

Aber am Besten, ihr besucht es vor Ort! Es lohnt sich!

Biljana Vicic u.a.