„Gerechte Zukunft“?

Ölkrise, Wasserkonflikte, schwindende Ernährungssicherheit, Klimawandel – die Botschaften von knappen Ressourcen und Umweltkatastrophen häufen sich. Das Buch »Fair Future«, eine ökologische Studie des Wuppertal Instituts, fordert von uns: Die Ressourcen des Erdballs müssen endlich gerecht geteilt werden.

„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht genug für jedermanns Gier.“ Mahatma Gandhi

Die Weltbevölkerung wächst weiter und immer mehr Nationen (wie etwa Indien oder China) fordern ihr unbestreitbares Recht auf Entwicklung ein. Angesichts einer schon jetzt überforderten Biosphäre wird der Kampf um die knappe Natur die Krisen des 21. Jahrhunderts mitbestimmen. Ressourcenkonflikte sind oft der unsichtbare Faktor hinter Unordnung und Gewalt. Wo jedoch der Kuchen immer kleiner, der Hunger immer größer und die Gäste immer zahlreicher werden, ist es höchste Zeit, nach Wegen zu einer gerechteren Verteilung von Ressourcen zu suchen.

Eine vielfältig zusammengesetzte Gruppe von Wissenschaftlern im renommierten Wuppertal Institut für Umwelt, Klima, Energie hat sich vom brisanten Problem der Verteilung endlicher Ressourcen herausfordern lassen und von den damit verbundenen Fragen: Ist die wachsende Spannung zwischen Ökologie und Gerechtigkeit in einer Welt der Ungleichheit auflösbar? Wie kann verhindert werden, dass das eine Ziel mit der Preisgabe des anderen erkauft wird?

Der Wuppertal-Report urteilt kategorisch: „Es ist höchste Zeit, das Wohlstandsmodell unserer Industriemoderne auf den Prüfstand zu stellen. Mehr Gerechtigkeit in dieser Welt ist auf dem Verbrauchsniveau der Industrieländer nicht zu erreichen.“ Anders gesagt: „Entweder bleibt die Mehrheit der Welt vom Wohlstand ausgeschlossen oder das Wohlstandsmodell wird so umgestaltet, dass alle daran teilnehmen können, ohne den Planeten ungastlich zu machen.“

Diese Erkenntnis ist gewiss nicht neu. Aber sie wird immer wieder aufs Neu verdrängt. Und dass dieses Wissen ein weiteres Mal begründet wird, mit einer solchen Menge von Daten und auf den Punkt gebrachten Zusammenhängen, dazu verständlich und teils brillant formuliert, ist alles andere als überflüssig, solange politische Schritte ausbleiben, die dem Problemdruck angemessen wären.

Meiner Meinung nach erhält der Report »Fair Future« ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit nicht zuletzt dadurch, dass – sofern vorhanden – alternative Modelle, Wege, Lösungen konsequent miteinander verglichen werden. Damit hebt sich das Buch von einer Vielzahl anderer Werke über diesen Themenkomplex ab, die einen Königsweg vorgaukeln, sich aber nicht mit weiteren Lösungsansätzen beschäftigen. So werden an einigen Stellen auch nur Fragen aufgeworfen, statt einfach nur Antworten zu geben. Aber wird dies nicht unserer Situation gerecht? Natürlich, denn genau genommen haben wir mehr Fragen zu den Problemen der Welt als wir Antworten in Form von Problemlösungen besitzen.

Jede und jedem, dem die Zukunft unserer Erde am Herzen liegt, kann aus diesem Werk lernen, in welche Richtung es gehen muss, damit wir, die Menschheit, überhaupt eine Zukunft auf diesem Planeten haben. Und wie schnell wir losgehen müssen, sollte uns klar sein: Es geht für die meisten von uns dabei auch um die persönliche Zukunft!

Torben Flörkemeier

Bundeszentrale für politische Bildung

Wuppertal Institut (Herausgeber)

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