Aktuelle Tagesberichte vom Weltklimagipfel

Desmond Tutu mit Delegierten. Links Antonin Salice-Stephan
Antonin Salice-Stephan Delegierter beim Weltklimagipfel in Kopenhagen

Antonin Salice-Stephan aus Blomberg, HVG-Schüler, ist Jugend-Delegierter beim Weltklimagipfel in Kopenhagen. Er gehört zu den weltweit 100 Delegierten der Jungliberalen.
Über seine Erlebnisse und Eindrücke berichtet er täglich. In dem Kommentarfeld unter den Texten können auch Fragen an ihn gestellt werden. (Der aktuellste Bericht steht immer oben.)

Nun der Abschlussbericht, geschrieben am Samstag auf der Rückfahrt aus Kopenhagen.

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Rückfahrt, Samstag, 19.12.2009

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, liebe Familie, liebe JuLis,

die Verhandlungen neigen sich dem Ende zu. Ich glaube, es wird Zeit für eine eigene persönliche Reflektion dieser Konferenz. Wie habe ich die UN-Konferenz wahrgenommen? Wie fühle ich mich als Jugenddelegierter? Welche Ziele wurden erreicht? Ist überhaupt etwas geschehen? Wie hat mich der Klimagipfel persönlich geprägt?

Zunächst einmal sei eines gesagt: Delegierte aus allen Ländern sind nicht nach Kopenhagen gekommen, um nichts zu tun. Die Arbeit war hart und vor allem nervenaufreibend. Die Verhandlungen waren schwer und eine Lösung zu finden war/schien nahezu unmöglich.

Obwohl ich nur ein Jugenddelegierter war, bin ich froh, dass meine Zeit in Kopenhagen sich dem Ende zuneigt. Ich habe wenig geschlafen und wenig gegessen. Heute fühle ich mich ausgeschöpft und müde. Ich habe Halsschmerzen von den unendlichen Gesprächen und ich habe mich vermutlich beim allmorgendlichen Warten auf den Zugang zum Verhandlungsort erkältet!

Das war er also: Der UN-Klimagipfel 2009 in Kopenhagen. In diesem Moment sitze ich im Zug nach Hamburg und versuche in Worte zu fassen, was mir in Erinnerung bleibt.

Mit Sicherheit die vielen Menschen aus aller Welt. Selten zuvor habe ich einen Ort gesehen, an dem so viele Menschen aus so vielen verschiedenen Ländern dieser Welt sich innerhalb von einem Gebäude aufhielten. Diese Erfahrung war beeindruckend. Ich habe Menschen aus Kanada, Amerika, England, Norwegen, Schweden, Indien, China, Japan, Nigeria und Eritrea kennengelernt, und wenn ich grob die von mir gesammelten Visitenkarten von kennengelernten Delegierten überschlage, dann komme ich auf ca. 40-50 Stück. Das Kennenlernen von so vielen Menschen war schlichtweg „amazing“.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich das Gefühl habe, dass die Delegierten vor Ort selbst kaum Macht auf die „Leader“ ausüben konnten. Zumindest fühle ich mich gerade nicht so, als hätte ich irgendeinen hohen Politiker erreicht. Mit „erreicht“ meine ich, dass ich es weder geschafft habe noch die Möglichkeit hatte, irgendeinen Politiker zu einem Klimavertrag und letztendlich zu gemeinsamen Verpflichtungen zu bewegen.

Ich hatte zugegebenermaßen mehrmals die Möglichkeit, Fragen an Persönlichkeiten wie Al Gore oder Ban Ki Moon zu stellen. Aber was hätten die wohl geantwortet, wenn ich gesagt hätte: „ Mr. Gore, Mr. Moon, would you please seal the deal, to save the future of our planet?“ Ich glaube selbst Delegierte wie Al Gore, Ban Ki Moon, Desmond Tutu oder etwa John F. Kerry waren gewissermaßen ohnmächtig durch ihre Machtlosigkeit.

Das größte Problem ist, dass es kein „offizielles Ergebnis gibt“. Ich unterhalte mich gerade mit einem Delegierten aus der Schweiz und einer UN-Delegierten. Der Regierungsdelegierte aus der Schweiz hat gestern Nacht bis 4 Uhr an den Verhandlungen teilgenommen. Er hat soeben gesagt:“ When I left the negociations at 4am, still there was not an official outcome. We do not have a final deal but we made some agreements.”

Aber ist es nicht erschreckend, dass noch nicht einmal die Delegierten vor Ort einen “klaren Durchblick haben”? Es ist klar, dass ich als „einfacher kleiner Jugenddelegierter“ nicht in Regierungsentscheidungen involviert bin. Aber wenn nicht einmal Regierungsgesandte ein klares Bild von den „finals“ gestern Nacht haben, wer dann? Ich frage mich gerade ehrlich gesagt, wie das mit der Erde weitergeht.

Ich befinde mich gerade mitten im Gespräch mit mehreren Delegierten, die alle gemeinsam mit mir im ICE nach Hamburg fahren. Ich denke, diese Zitate sprechen für sich selbst:

  • “The thing is, that we don´t know how the work is going to continue, that is the problem.”
  • “There were so many people in the plenary, sleeping on the tables.”
  • “There should be a plan, but we don`t have one.”
  • “People just ran away.”
  • “There was no time for a progressive discussion, never.”
  • “We need more time.”

Was ich an dem ganzen “Kopenhagen-Hokuspokus“ merkwürdig finde, ist, dass allen Delegierten das Klimaproblem bewusst ist. Man kann nicht behaupten, der Klimawandel findet nicht statt. Das wäre schlichtweg gelogen. Warum ist es denn dann so schwer, klar gesetzte Ziele zu erreichen?
Wenn sogar die Jugend es schafft, klare Entwürfe auszuarbeiten, warum können es die Großen nicht?

Der Sprecher des “International Climate Youth Movement” hat die Forderungen der „Jugend dieser Welt“ auch vor den Regierungsoberhäuptern dieser Welt vorgetragen. Aber ich denke beziehungsweise ich stelle fest, dass „wir nicht gehört wurden“.

Ich denke das „Rätsel“ ist leicht aufzulösen: Es ist sehr viel einfacher Forderungen zu stellen, als Forderungen umzusetzen. Deshalb ist kein offizielles „Copenhagen-Protocoll“ unterschrieben worden. Sind die Verhandlungen insgesamt deshalb erfolglos gewesen?

Mit Sicherheit nicht! Es wurden Vertragsentwürfe unterschrieben, die den weiteren Weg des Klimaschutzes ebnen. Es wurden Eingeständnisse gemacht. Es wurde festgestellt, dass China, Indien, USA und Brasilien eine Kernrolle im zukünftigen Klimawandel spielen werden. Es wurde Druck auf Staats- und Regierungschefs ausgeübt. Auch auf Obama. Er hat sich bereits für Finanzhilfen in Entwicklungsländern ausgesprochen. Es wurden internationale Konzepte zur Dämmung von Treibhausgasemissionen miteinander abgeglichen. Die Industriestaaten werden zunächst bis zum Jahr 2012 30 Milliarden Dollar für unterentwickelte Länder aufbringen.

Dennoch bleiben vereinzelt Unklarheiten bestehen: Was geschieht zum Schutze der Regenwälder? Wie verbindlich sind die eben genannten Abkommen? Was ist die offizielle Stellungnahme der UN zum Klimagipfel? Was geschieht nun mit Staaten wie Tuvalu, die schon nächstes Jahrzehnt nicht mehr exestieren könnten? Wer überwacht, dass die UN-Resolutionen eingehalten werden?

Was hat Obama am letzten Tag eigentlich noch zum Gipfel beigetragen?
All diese Fragen könnte ich sporadisch beantworten. Aber die Antworten wären weder für mich noch für die Leser noch für etliche andere Delegierte befriedigend.

Ich kritisiere an der UNFCCC in Copenhagen also vor allem eines: Die mangelnde Transparenz der Verhandlungen. Ich kritisiere nicht, dass kein offizieller verbindlicher Vetrag zustande gekommen ist! Ich habe verstanden, das der Schutz des Klimas ein Prozess ist.

Es ist eine lange Prozedur, die viel weniger von Politikern und Wirtschaftsbossen abhängt als viel mehr von jedem Einzelnen von uns. Schließlich hat jeder Mensch die Freiheit selbst zu entscheiden, wie er lebt. Der Schutz des Klimas und die Bewahrung unserer Erde hängen also nahezu gänzlich von den Individuen ab, die sich Menschen nennen und nicht bloß von jenen Individuen, die die Führer, Präsidenten, Kanzler und Minister dieser Menschen sind!

Dennoch bin ich enttäuscht und traurig, dass kein verbindlicher Vertrag unterschrieben wurde. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass jeder Einzelne begreift, dass er Teil dieser Erde ist.

Besonders für uns junge Leute wird die Zukunft schwer werden, wenn das Klima sich weiterhin verändert. Millionen von Menschen werden umgesiedelt werden müssen, Fluten und Dürren rufen Krankheiten hervor, die Nahrungsversorgung wird ein Problem werden, noch mehr Menschen werden hungern müssen.

Meine ganz persönliche Einschätzung im Hinblick auf unsere Zukunft ?:

Ich bin gespannt…

Auf ein baldiges Wiedersehen freue ich mich schon,

Antonin Salice-Stephan

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Donnerstag, 17.12.2009

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, liebe Familie, liebe JuLis,

die letzten Tage waren sehr stressig, und ich hatte nur sehr wenig Zeit Berichte zu verfassen. Aus den Medien ist wahrscheinlich bereits bekannt geworden, dass etwaige Proteste entstanden sind. Es gab Randalierer, die vor allem außerhalb der Verhandlungen den Prozess, eine Lösung zu finden, erschwert haben. Ich muss sagen, dass ich trotz Kritiken an den Verhandlungen zuversichtlich und optimistische (geworden) bin.

Meine Zuversicht hat zwei Gründe: Erstens habe ich gestern zwei bewegende Vorträge von John F. Kerry und Ban Ki Moon gehört und zweitens sind in vielen Plenarien die Verhandlungen hinsichtlich einer verbindlichen Lösung schrittweise vorangeschritten.

Mir ist nun klar geworden, dass Kopenhagen der Beginn eines gesamten Prozesses geworden ist. COP 15 ist der erste Schritt in eine neue Ära, und die heutige Anwesenheit von Hunderten von Ministern und Präsidenten zeigt mir, dass das Thema sehr ernst genommen wird. Meine Hoffnung ist also sehr groß.

Ich hoffe und wünsche mir für Morgen nichts sehnlicher, als dass ein verbindlicher Vetrag unterschrieben wird. Als Delegierter, der direkt vor Ort die neuesten Informationen erhält, kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass zwei Wochen harter Verhandlungen ergebnislos verlaufen sind. Die IFLRY-Delegation hat hart gearbeitet und als Observer-Organisation versucht, den Prozess soweit voranzupeitschen wie möglich!

Ich frage mich einfach: Wenn die Menschheit JETZT hier in Kopenhagen nicht den Ernst der Lage begreift und die Welt nicht registriert, dass wir vor einem großen Problem stehen, wann dann? Und wo? Und wenn es jetzt 30 000 Delegierte aus aller Welt nicht schaffen, wer dann?

Leider habe ich morgen keinen Zugang zum Bella Center. Wenn es in den „Endspurt“ geht, sind nur noch Länderdelegationen und hohe Politiker zu den Verhandlungen zugelassen. Ich kann nicht sagen, ob Obama morgen einen Vertrag unterschreiben wird, aber ich traue es ihm zu.

Ich möchte mich heute kurz fassen, da JETZT (23:00 Uhr!) noch ein Meeting ansteht.

Alles, was ich jetzt tun kann, ist hoffen, hoffen und hoffen. Die gesamte IFLRY-Delegation hofft, dass es Morgenabend etwas zu feiern gibt. Ihr könnte euch nicht vorstellen, was für eine gespannte Atmosphäre auf dem Verhandlungsort liegt. Ich bin wirklich aufgeregt. Die Delegierten nennen den morgigen Tag bereits D-Day (decision-day).

Wollen wir alle hoffen, dass der morgige Tag in die Geschichte eingeht als „Tag der Einheit aller Länder zum Schutze unserer Erde“.

Herzlichste Grüße, Antonin

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Mittwoch, 16.12.2009

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, liebe Familie, liebe JuLis.

Ich beginne meinen aktuellen Report mit der Ereignissen von heute Morgen. Es ist kaum vorstellbar, was für ein unglaublicher Andrang auf dem Verhandlungsgelände herrscht. Das UNFCCC Sekretariat hat bereits Konsequenzen aus dem Massenandrang gezogen. Non-government-Delegierte, die bisher noch nicht registriert worden sind, haben seit heute keinen Zugang mehr zum Bella Center und werden somit von der Konferenz ausgeschlossen. Glücklicherweise bin ich bereits seit letzten Freitag offiziel registriert.

Ein JuLi-Mitglied aus Deutschland ist gestern aus Deutschland angereist und ist Teil unserer internationalen Delegation. Das Problem ist nun, dass dieses Mitglied nicht mehr an der Konferenz teilnehmen kann und somit umsonst aus Deutschland angereist ist. Die Organisation vor Ort ist also durchaus fehlerhaft.

Ich befinde mich gerade in einem geschlossenen Meeting und kann durch die geschlossenen Türen den Protest der anderen Delegierten in der Hauptkongresshalle hören. Heute mogren musste ich zwei Stunden in der Schlange stehen, bei eisiger Kälte, obwohl ich sowohl akkreditiert bin als auch einen „personal-badge“ besitze.

Ein weiteres Problem der Konferenz ist die mangelnde Transparenz der geschlossenen Verhandlungen. Es besteht für mich nicht im geringsten die Chance, an irgendwelchen politischen Verhandlungen teilzunehmen. Dasselbe gilt für Tausende von anderen Delegierten. Oftmals ist es noch nicht einmal der Presse gestattet,Verhandlungen zu filmen.

Ein weiteres Problem meiner Delegation ist, dass nur 25 von 100 Delegierten Zugang zum Bella Center hat. Die verschiedenen Jugenddelegierten aus den Ländern müssen sich somit ein sogenanntes „secondary-badge“ teilen. Das heißt, dass stündlich rotiert wird. Die einen gehen morgens ins Verhandlungszentrum, die anderen mittags und wieder andere abends. Ich habe derzeit das große Glück, dass ich der einzige deutsche akkreditierte Delegierte bin. Das heißt, ich habe ein „secondary-badge“, das ich mit niemandem teilen muss. Da ich es aber ohnehin nicht schaffe von morgens bis abends an Verhandlungen teilzunehmen (ich hab nur sehr wenig Zeit zum Essen und kann erst sehr spät schlafen gehen, da die letzten Meetings gegen 23:30 Uhr erst enden), teile ich mir mein „badge“ mit Raza, ein Jugenddelegierter aus England, zu dem ich inzwischen einen sehr guten Kontakt pflege und mit dem ich zahlreiche Plenarien aufgesucht habe. Gestern haben wir eine Inderin kennengelernt, welche die AFD-Foundation(Action for Development) gegründet hat. Sie bot uns an, ihr Projekt in Indien zu unterstützen und die Direktoren dieser Organisation in Neu Dehli zu besuchen, um internationale Netzwerke aufzubauen.

Soeben habe ich erfahren, dass die verschiedensten Non-Government-Organisationen Protestaktionen planen. Vor dem Bella Center wurden Hunderte von Polizisten stationiert. Der Nachmittag könnte spannend werden und ich rate heute Abend die Nachrichten zu schauen. Es sind Delegiertenproteste angekündigt. Delegierte planen, das Kongresszentrum aus Protest zu verlassen und an den Verhandlungen nicht länger teilzunehmen. Außerdem sind Sitzblockaden und andere Aktionen geplant.

Der IFRLY hat einstimmig beschlossen, dass unsere Delegation NICHT an den Protesten teilnehmen wird, was ich für richtig halte. Kopenhagen steht ohnehin schon unter Druck, wenn nun auch noch die Delegierten den Protest auf die Straße bringen, anstatt innerhalb der Verhandlungsmauern zu protestieren und zu debattieren, dann wird das zu einem weniger guten Ausgang der Verhandlungen führen.

Heute scheinen die Verhandlungen langsam wieder „in Gang zu kommen“. Ich war heute Morgen auf einer Debatte über das Thema „Nuclear Power“. So leid es mit tut, aber ich muss allen mitteilen, dass eine Senkung der CO2-Emissionen bis 2020 nur dann möglich ist, wenn der nukleare Sektor der Energieschöpfung ausgebaut und intensiv genutzt wird. Das ist ein unumgängliches Faktum, das auf dem Meeting heute Morgen festgestellt wurde.

Ich werde nun zu einem Meeting mit John F. Kerry gehen. John F. Kerry ist vor 5 Jahren gegen George W. Bush im Wahlkampf um die Präsidentschaft, angetreten. Das Thema dieses Plenums wird die Rolle der USA im weltweiten Kampf gegen den Klimawandel reflektieren.

Soweit der Stand aus Kopenhagen also,

Ihr/Euer/Dein Antonin Salice-Stephan

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Dienstag, 15.12.2009

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, liebe Familie, liebe JuLis,

es ist wirklich verrückt, wem man hier alles begegnet. Gerade eben saß ich in unserem Meeting-corner des IFLRY, als plötzlich der UN – Generalsekretär Mr. Ban Ki Moon samt Gefolgschaft an mir vorbeiflitzte! Ich dachte, ich seh nicht richtig. Aber es ist ein neuartig angenehmes Gefühl zu wissen, dass soviele bekannte Politiker, Minister und Generalsekretäre vor Ort sind und man die Möglichkeit hat diese zu treffen.

Direkt nach diesem zufälligen Zusammentreffen mit Ban Ki Moon ging ich zu einem Plenum mit dem Thema „international climate hearing“, wo ich erneut Desmond Tutu traf und ein Foto mit ihm machte. In diesem Plenum stellte ein Ureinwohner Perus, eine Frau aus Uganda, eine Frau aus Indien und eine Frau aus Tuvalu ihre Probleme dar.

Die Menschen in jenen Ländern leiden unter Dürren oder Fluten. Ihre Hütten werden weggeschwemmt oder sie müssen in die Stadt ziehen, weil sie ihre Felder nicht mehr bestellen können. Tuvalu wird in wenigen Jahren nicht mehr existieren. Ich muss ehrlich sagen: Ich war geschockt. Und ich habe mich nach der Konferenz wirklich wirklich schlecht gefühlt. Und ich kann auch sagen warum: In dem Plenum wurde deutlich belegt, inwiefern unsere CO2-Emissionen das Leben in unterentwickelten Ländern beeinflusst. Die Frau aus Uganda sagt wörtlich: „My people are dying and suffering out of them!“ (mit „them“ sind die Co2 produzierenden Industriestaaten gemeint.)

Menschen zu treffen, die von ihren Schicksalen berichteten, war ehrlich gesagt erschütternd und für mich als Europäer beschämend. Ich hoffe sehr, dass ein verbindlicher Vertrag in Kopenhagen entsteht. Derzeit muss ich leider sagen, dass ich persönlich das Gefühl habe, dass die Verhandlungen gewissermaßen eingefroren sind. Es scheint mir fast so, als würden die Delegierten alles gesagt haben, was sie sagen wollten.

Jeder hat seinen „Mist dazugegeben“, aber was JETZT passiert, scheint niemand wirklich, auch nicht hier in Kopenhagen, zu wissen. Selbst ein Menschen wie Desmund Tutu, der eine geistliche Stütze für Tausende von Menschen auf dieser Welt darstellt, antwortet auf die Frage einer Journalistin, ob er glaubt, dass ein Vertrag unterschrieben wird: „Do you want me to predict a miracle?“

Man sieht also, die Spannung ist groß. Aber ich als Anwesender frage mich: Wenn alle Delegierten so gespannt und hoffnungsvoll das Ende erwarten, auf ein Ergebnis, wieso sind dann bisher noch keine eindeutigen wegweisenden Beschlüsse auf der Konferenz gefasst worden? Warum warten alle? Die Konferenz wirkt derzeit nicht sehr progressiv. Dies könnte aber auch damit zu tun haben, dass die NGOŽs (non-governmental-organisations) zu den Verhandlungen der Länderdelegationen keinen Zutritt haben. Da ich auch zu einer NGO gehöre, bleiben mir viele Konferenzräume verschlossen. Dennoch versuche ich so viele Veranstaltungen wie möglich zu besuchen.

Heute sind viele Politiker wie etwa Mr. Arnold Schwarzenegger, Mr. Kofi Annan, Mr. Ban Ki Moon, Mr. Yvo de Boer(UN Klimapräsident),Mr. Al Gore und andere bekannte Persönlichkeiten im Bella Center. Ich hoffe, ich habe die Möglichkeit, den ein oder anderen Politiker zu treffen.

Viele Grüße nach Deutschland,

Ihr/ Euer/ Dein Antonin Salice-Stephan

Viele Grüße nach Deutschland,

Ihr/ Euer/ Dein Antonin Salice-Stephan

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Montag, 14.12.2009

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, liebe Familie, liebe JuLis,

soeben bin ich von dem Vortrag über Grönland und das weltweite Gletscherschmelzen wiedergekommen, an dem Al Gore sowie verschiedene skandinavische Minister teilgenommen haben. Der Vortrag war sehr gut und aufgrund der anwesenden Prominenz war der Plenarraum äußerst gefüllt.

Al Gore machte auf mich einen weniger lockeren Eindruck als in seinem Film „Inconvenient Truth“. Dennoch hält er gute Reden und schafft es, Leute zum Zuhören zu bewegen. Sicherlich hat dies auch mit seiner Popularität zu tun.

In wenigen Minuten gehe ich zusammen mit Raza Muneer, einem Jugenddelegierten aus Großbritannien, zu einem Plenarium mit dem Thema „sustainable energy for underdevelopped countries“. Dort werden wir uns mit anderen Delegierten über Möglichkeiten unterhalten, wie man Ländern wie Uganda, Senegal und Nepal oder Indien auf internationaler Basis helfen und diese langfristig unterstützen könnte. Dieses Plenum ist außerdem eine Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und ein internationales Netzwerk aufzubauen.

Die nächsten Tage werden sehr stressig sein. 30 000 Delegierte sind registriert, aber nur 15 000 dürfen in das Verhandlungszentrum. Dementsprechend ist morgens ein Riesenandrang an den Eingängen. Die nächsten Tage werde ich wohl um 4 oder 5 Uhr morgens aufstehen müssen, um einen Zugang zu den Verhandlungen haben zu können!

Heute Abend findet noch ein „Liberal Networking Event“ statt, in dem Liberale aus allen Ländern miteinander Kontakt aufnehmen. Derzeit muss ich ehrlich sagen, dass der IFRLY eine von wenigen aktiven Jugendorganisationen vor Ort ist. Die Organisation innerhalb der Gruppe ist dementsprechend gut. Von dem COP 15 Programme Manager Stephan Korte und von unserem Präsidenten Bart Woord erhalten wir stündlich die neuesten Updates und Informationen zu den wichtigsten Events.

Außerdem findet jeden Abend um 20.30 ein Delegiertentreffen statt, in dem wir unsere Tageserfahrungen reflektieren und Aktivitäten für den folgenden Tag planen.

Falls übrigens irgendwelche Fragen bezüglich der UNFCCC auftreten sollten, die ich eventuell beantworten könnte, werde ich dies sehr gerne tun!

Viele Grüße nach Deutschland,

Ihr/ Euer/ Dein Antonin Salice-Stephan

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Noch einmal: Samstag und Sonntag

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, liebe Familie, liebe JuLis,

ich berichte heute zunächst noch einmal von den interessanten Ereignissen von Samstagabend.

Nach der chinesischen  Pressekonferenz hatte ich die Möglichkeit einen Jungen zu treffen, der mit 15 Jahren eine Jugendstiftung für das Klima gegründet hat, welche sich für die verschiedensten umweltfreundlichen Jugendprojekte weltweit einsetzt. Es ist interessant zu sehen, dass auch junge Menschen mit ihren Ideen viel bewegen können. Es ist alles nur eine Frage des Willens.

Von der Demonstration habe ich nicht so viel mitbekommen. Die Delegierten waren größtenteils im Bella Center abgeschirmt, und obwohl ich mir vorgenommen hatte an diesem Protestmarsch teilzunehmen, habe ich dies nicht geschafft! Aber jeden Morgen, wenn ich gemeinsam mit tausend anderen Delegierten das Bella Center betrete, erwarten uns bereits protestierende Aktivisten von den verschiedensten Organisationen, wie etwa Greenpeace.

Heute morgen wurde ich beispielsweise von einem Greenpeaceaktivisten angesprochen und er sagte zu mir: „Please put all your power into the negatiations. I still have faith, that something progressive is going on at the convention.“

Am Sonntag folgten mehrere interessante Ereignisse aufeinander. Gestern war der einzige Tag, an dem die Delegierten aller Länder pausierten und es keine offiziellen Meetings gibt. Ich hatte also ausgesprochen viel Zeit, wenn man bedenkt, was zwei Tage vorher alles geschehen ist. Ich hätte ehrlich gesagt nie erwartet, dass man innerhalb von 12 Stunden so vielseitige Erfahrungen sammeln kann.

So hatte ich heute die Möglichkeit, Desmond Tutu zu hören, welcher eine Rede im Zentrum von Kopenhagen hielt. Der anglikanische Erzbischof und Friedensnobelpreisträger aus Südafrika forderte die Menschen auf, am Klimawandel teilzunehmen. Ich denke, dass jedem bewusst sein sollte, dass der Schutz des Klimas nicht eine Sache der Politiker ist, sondern eine Sache der gesamten Weltbevölkerung. Besonders ist der Klimaschutz aber eine Sache all jener Menschen, die in Europa, Japan, Nordamerika und in all den anderen Industriestaaten leben. Sie müssen Verantwortung übernehmen, und sie sind letztendlich auch der Grund, warum ich heute in Kopenhagen bin.

Nach der Rede von Desmond Tutu begab ich mich zum Bright Green Forum Copenhagen. Das Bright Green Forum ist eine Art Messe, an der Hunderte von zukunftsorientierten Unternehmen und Industrien ihren „grünen Weg“ vorstellen. Sie werben für ihre klimafreundlichen Techniken und ihren innovativen Beitrag zum Klimaschutz. Allerdings kann ich sagen, dass viele dieser Unternehmen meines Erachtens weniger nach der Rettung der Erde streben als viel mehr nach Profit und Umsatzsteigerung. Viele der vorgestellten Ideen waren aber auch äußerst innovativ und „wirklich klimafreundlich“.

Im Forum hatte ich außerdem die Möglichkeit der Rede von Steven Chu zuzuhören. Steven Chu ist Nobelpreisträger für Physik und bekleidet in Obamas Kabinett das Amt des Energieministers. Er war sehr aufgeschlossen und stellte klar, dass die USA sich tatsächlich für innovative Energien und die Reduzierung von Treibhausgasen einsetzt.

Meiner Ansicht nach sollte die USA sich zunächst einmal für mehr Nachhaltigkeit besonders im alltäglichen Leben einsetzen. Dass XXL-Leben eines durchschnittlichen Amerikaners produziert 2 Tonnen CO2 pro Jahr. Ein durchschnittlicher Deutscher produziert 1 Tonne CO2 in einem Jahr. Ein Afrikaner nur eine halbe Tonne. Ich denke, aus diesen Informationen wird deutlich, wie wichtig es ist, die Amerikaner unter Druck zu setzen und Obama zu einer umweltfreundlichen Politik zu bewegen, welche er in seinem Wahlkampf proklamierte.

Dennoch sei gesagt, dass nicht Obama der Politiker ist, der sich dem Klimaschutz in den Weg stellt, sondern der US-Senat. Er reglementiert und bestätigt neue Gesetze. Oder er stimmt neuen Gesetzen eben nicht zu. Und das ist offensichtlich der Problempunkt, welcher Obama so schüchtern und zurückhaltend agieren lässt. Er befürchtet, einen internationalen Vertrag zu unterschreiben, den er in seinem Land nicht umsetzen kann, weil der Senat keine Gelder in den Klimaschutz investieren möchte.

Man sieht also, dass die Probleme nicht nur hier bei den Verhandlungen der Delegierten auftreten, sondern vor allem in ihren Heimatländern.

Ist es nicht erstaunlich für einen 19-jährigen aus einer deutschen Kleinstadt gleich zwei Reden von zwei Nobelpreisträgern an einem Tag zu hören? Ich bin beeindruckt von dem, was hier um mich herum geschieht !!

Nach der Rede von Steven Chu folgte ein Vortrag von Dr. Rajendra Kumar Pachauri. Er ist der Präsident des Intergovernmental Panel on Climate Change. Das Thema war vielseitig, behandelte aber vor allem die zukünftigen Folgen des Temperaturanstiegs.

Der Inselstaat Tuvalu beispielsweise wird im Laufe der kommenden Jahre vom steigenden Meeresspiegel verschluckt werden. Die Delegation Tuvalus ist dementsprechend sehr aktiv hier in Kopenhagen.

Nachdem ich mir weitere interessante Vorträge über innovative und moderne Energien angehört habe, kam ich um ca. 21.00 Uhr zurück ins RU-Office.

Mein Plan für heute, den 14. Dezember 2009 sieht wie folgt aus: Gleich werde ich an einer Konferenz der World Council of Churches teilnehmen. (Ich denke, wenn man über den Klimaschutz spricht, sind religiöse oder ethnische Grenzen irrelevant.)

Danach ist ein Vortrag über das „Greenland ice sheet“ angesagt. Vielleicht nenne ich nochmal einige Namen, die an diesem Vortrag teilnehmen. Dazu gehören unter anderem: Per Stig Moeller (dänischer Außenminister), Jonas Stoere (norwegischer Außenminister), Al Gore (ehem. US-Vizepräsident) und Kuupik Kleist (Grönlands Premierminister).

Viele interessante Menschen also, die namentlich durchaus bekannt sind. Wie die Vorträge und Verhandlungen verlaufen und was sonst nach geschehen ist/wird, berichte ich heute Abend.

Grüße nach Deutschland,

Ihr/ Euer/ Dein Antonin Salice-Stephan

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Sonntag, 13.12.2009

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, liebe Familie, liebe JuLis,

heute beginne ich meinen Bericht zunächst mit den Ereignissen von Samstagabend. Gestern nahm ich am China Press Briefing teil. In dieser offiziellen Pressekonferenz der chinesischen Regierung erläuterte die chinesische Delegation ihren derzeitigen Stand der Verhandlungen und kündigte Ziele für die nächsten Jahre an.

Sie betonten zum wiederholten Male Ihr Ziel, 40-45% ihrer Treibhausgasemissionen bis 2020 zu senken. Ich muss sagen, dass alles, was die Delegation aus China sagte und proklamierte, eine sehr positive und im Hinblick auf die Zukunft sehr gute Zielsetzung ist. Es bleibt allerdings die Frage: „Wird China sich für die hoch gesteckten Ziele tatsächlich einsetzen?“ Chinas Hauptdelegierter antwortete (Zitat): „Wir sind bereit, 25 Stunden am Tag zu arbeiten um unsere Ziele zu erreichen.“

Es bleibt uns also nichts anderes als abzuwarten. Im Hinblick auf die Verschlossenheit des kommunistischen Systems, die ein Reporter erwähnte, antwortete der Hauptdelegierte, dass China versuchen wird, seine Durchsetzung der Ziele und den Fortschritt der Emissionseinschränkung „so transparent wie möglich“ zu gestalten, sodass die Weltöffentlichkeit mitverfolgen kann, was China erreichen wird.

Ich bezweifle, dass China aller Welt seine Ergebnisse präsentieren wird, wenn die Erreichung der Emissionssenkung nicht stattfinden wird. Dennoch muss gesagt werden, dass China im Gegensatz zu den USA eine klare Zielsetzung festgelegt hat.

All das, was die Welt von den weltweit größten Umweltverschmutzern fordert, war eine klare Zielsetzung und schließlich ein verbindlicher Vetrag. China hat im Gegensatz zu den USA den ersten Schritt in Richtung Vertrag gemacht. Dennoch bin ich mir nahezu sicher, dass weder China noch die USA einen Vetrag unterzeichnen werden!

Weiteres von heutigen Ereignissen übersende ich später! Ich muss zu einem Meeting aller liberaler Delegierten.

Grüße nach Deutschland,

Ihr/ Euer/ Dein Antonin Salice-Stephan

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Samstag, 12.12.2009

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, liebe Familie, liebe JuLis,

gestern Abend fand ein sehr interessantes Treffen statt. Gemeinsam mit Stephan Korte, dem IFLRY Climate Change Programme Manager (außerdem aktives Mitglied bei den JuLis Deutschland), und zwei weiteren Jungdelegierten aus Österreich und Kanada traf ich Dirk Niebel. Dirk Niebel ist der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Leider war es nur ein sehr kurzes Treffen, da der Minister weitere Termine wahrnehmen musste!

Heute begann mein Tag relativ spät, um ungefähr 8.30 Uhr, nachdem das letzte Meeting gestern Abend um 23.00 Uhr endete. Ich sitze gerade wieder im Cafe. Derselbe Ort, aus dem ich gestern bereits berichtete. Heute Morgen hatten wir ein Treffen im EYF (European Youth Forum), wo wir Erwartungen, gewonnene Eindrücke und andere Dinge bewerteten und ausarbeiteten.

Demnächst werde ich mich zum deutschen Forum für Klimapolitik begeben, um über den derzeitigen Stand der deutschen Klimapolitik zu recherchieren. Diese Daten sind für den IFRLY relevant, um interne Gespräche und Ziele mit anderen Ländern abzugleichen. Später werde ich dann am „Climate March“ teilnehmen, welcher in Kopenhagen stattfindet.

Für heute Abend ist ein weiteres Meeting angekündigt, an dem ebenfalls zahlreiche Delegierte aller Länder teilnehmen werden.

So weit der Stand aus Kopenhagen.

Grüße nach Deutschland

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Freitag, 11.12.2009

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, liebe Familie, liebe JuLis,

nachdem ich heute Mittag zu einem dringenden Meeting musste, habe ich nun wieder eine halbe Stunde Zeit, bis ich den nächsten Termin wahrnehmen muss. Soeben bin ich von einem Vortrag mit dem Thema „Support Developping Countries“ wiedergekommen, dessen Inhalt sich mit dem Problempunkt der wirtschaftlichen Rückständigkeit von Entwicklungsländern befasst hat.

Die Frage ist: „Wie können die Industriestaaten die Entwicklungsländer unterstützen, und wie können die Entwicklungsländer sich weiterhin wirtschaftlich entwickeln, ohne mit harten CO2-Emissionskonventionen rechenen zu müssen, welche die Länder in ihrem Wachstum einschränken? Die Antworten sind vielseitig, und ich denke, dass sich jeder klarmachen muss, dass der Klimaschutz nicht auf Kosten der Entwicklungsländer stattfinden darf, welche zumal deutlich weniger Treibhausgase produzieren als die Industriestaaten.

Vielleicht erwähne ich noch kurz meine Akkreditierung. Mit dem offiziellen Ausweis, den jeder Delegierte erhält, ist es mir erlaubt, sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel in Kopenhagen kostenlos zu nutzen. Ich kann deutlich sagen, dass ganz Kopenhagen von dem „Klimaprojekt“ erfasst ist. In den Zügen sitzen Delegierte mit den Ausweisen um den Hals, auf den Leuchtreklamen steht „STOP CLIMATE CHANGE“ und einige Taxis und Busse proklamieren: „Seal the Deal“(gemeint ist, dass ein verbindlicher Vetrag in Kopenhagen entsteht, der unterschrieben werden soll).

Besonders spannend ist vor allem diese unglaubliche Kulturvermischung, die sich im Bella Center abspielt. Genau in diesem Moment sitze ich in einem Cafe(innerhalb des Bella Centers) und sehe beispielsweise einen offensichtlich aus Afrika stammenden Mann, der die traditionelle Kleidung der Touareg trägt.

Wenn man durch die Konferenzräumlichkeiten spaziert, kann es auch einmal sein, dass man einen Blick auf Indianer mit ihren traditionellen Trachten oder mit Federschmuck auf dem Kopf, erhascht. Ich bin mir nicht sicher, aber ich gehe davon aus, dass diese Indianer eine Delegation aus Südamerika, wahrscheinlich aus dem Amazonas ist.

Heute ist mein erster Tag, und ich weiß schon jetzt nicht mehr, wohin mit dem vielen Infomaterial und den etlichen Präsentationszusammenfassungen. Ich gehe davon aus, dass ich einige Kilo mehr im Gepäck haben werde, wenn die Konferenz endet.

Heute Abend findet ein Meeting der IFLRY-Delegation statt, in dem wir bisherige Ergebnisse zusammen tragen. Es ist vielleicht erwähnenswert, dass ich mich seit heute Morgen im Bella Center befinde. Dasselbe gilt für Tausende von anderen Delegierten. Wenn man vor Ort ist merkt man, dass ein gewisser Druck auf den Anwesenden liegt. Die Ziele sind hoch, die Menschen erwarten viel.

In welche Richtung das ganze laufen wird, kann ich heute noch nicht sagen. Ich bin selbstverständlich zuversichtlich und hoffe, dass Verträge geschlossen werden. Mehr dazu kann ich nächste Woche berichten, wenn es ans „Eingemachte“ geht! Heute Abend wird es wahrscheinlich wieder spät.

Grüße nach Deutschland,

Ihr/ Euer/ Dein Antonin Salice-Stephan

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Donnerstag, 10.12.2009

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, liebe Familie,

mein erster Tag war durchaus anstrengend, aber dennoch eindrucksvoll. Nach einer langen Reise, die ich um 5 Uhr morgens begann, kam ich am 10.12.2009 um 16.50 Uhr in Kopenhagen an. Auf meiner Reise traf ich viele Dänen die, wie es mir scheint, alle sehr offen und freundlich sind. Sei es der Schaffner, Mitreisende im Zug oder Passanten auf der Straße. Wirklich jeder behandelte mich herzlich und ich muss sagen, dass ich schon jetzt einen sehr guten Eindruck von Dänemark habe. Soweit zu den Menschen dieses Landes.

Mein Hauptaugenmerk soll sich jedoch auf die UN Klimakonferenz und meine Arbeit als Teil der Delegation der „International Federation of Liberal Youth“ richten.

Ich kam also gestern an und wurde nach einigen Komplikationen im Büro von „Radikal Ungdom“ untergebracht. „Radikal Ungdom“ ist die sozial-liberale Partei Dänemarks. Außerdem gibt es die Partei „Vestres Ungdom“, die sozusagen die „richtige Liberale“ Partei darstellt. Sie ist ebenfalls eine Partnerorganisation vom IFLRY.

Direkt nachdem ich im Büro von RU angekommen war, begann auch schon das Thema, mit dem ich mich die nächsten Tage auseinandersetzen werde: Dem Klima, und wie wir uns einbringen können etwas zu bewegen. Der sogenannte „Head of the office“ hat diesen Vortrag für die Jungliberalen dieser Welt gehalten. Es war in gewissem Sinne eine Art Brainstorming, damit wir uns in die zahlreichen Präsentationen, die auf der Konferenz stattfinden, einarbeiten können.

Nach einer kurzen Nacht (der Vortrag ging bis 23:30 und morgens musste ich um 5 Uhr aufstehen, um mich rechtzeitig für den heutigen Tag registrieren zu lassen), machte ich mich gemeinsam mit einigen Briten, zwei Norwegern und einem Niederländer auf den Weg zum „Bella Center“, dem Ort, wo die Mächtigen diskutieren, debattieren und Verträge aushandeln.

Ich sitze jetzt gerade im Bella Center, unmittelbar neben den Konfernzräumen. Heute habe ich mir bereits einen Vortrag einiger japanischer Professoren angehört, welche eine klimafreundliche Stadt aus Japan vorstellten.

Zudem habe ich als Repräsentant des IFLRY verschiedene Organsisationen aufgesucht, mit denen die liberalen Jugendverbände lokal operieren könnten. Somit wurden liberale Konzepte mit umweltfreundlichen Orgas und Coops sowie Initiativen abgeglichen.

Leider muss ich nun zum YC (YouthCouncil), wo die dänische Umweltministerin einen Vortrag für alle Jungdelegierten halten wird.

Weitere Informationen und Eindrücke werde ich, falls mir die Zeit bleibt, heute Abend senden.

Mit freundlichen Grüße, liebe Grüße, liberale Grüße,

Antonin