Kindergartenbesuche zum Thema Sprachentwicklung und Sprachstörungen

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Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 3

Kindergarten Lügde 3-4

Kindergarten Schieder 4-6

Zusammenfassende Erkenntnisse 6-7

Anhang 8-14

Einleitung

Kindergartenbesuche zum Thema Sprachentwicklung und Sprachstörung

Um zum Thema Sprachentwicklung bei Kindern mehr Informationen aus der Praxis zu erhalten und nicht blind den Schulbüchern vertrauen zu müssen, haben wir uns entschlossen zwei Kindergärten in unserer Umgebung aufzusuchen. Wohnorts- aber auch erinnerungsbedingt haben wir uns nachvollziehbarer Weise für die Kindergärten entschieden, die wir selber schon im Kindesalter besucht haben.

Bei der Gruppe aus Lügde handelte es sich dabei um den Katholischen Kindergarten Lügde, der sich im Kloster befindet. Ebenfalls katholisch war der besuchte Kindergarten in Schieder, welcher sich in Nähe des Schlosses neben dem Kurpark befindet.

Um die dort angegeben Informationen zu bekommen, haben wir uns persönlich mit Erzieherinnen in den Kindergärten unterhalten.

In Lügde handelte es sich dabei um die Mitarbeiterin Frau Blum der Igel-Gruppe und in Schieder um die Leiterin des Kindergartens, Frau Holthaus.

Um mit diesen ins Gespräch zu kommen, haben wir eine Art Leitfragebogen angefertigt, der uns Anregungen für das Gespräch geben sollte und gewisse Vergleichsmöglichkeiten zwischen den Kindergärten eröffnen konnte.

Besuch im Katholischen Kindergarten Lügde

In der Igelgruppe des katholischen Kindergartens wurden ca. 25% der Kinder mit Sprachstörungen beobachtet. Die Erzieherin meint, dass die Zahl sprachgestörten Kinder in den letzten Jahren sehr angestiegen ist. Sie meint weiter, dass dies daran liegt, dass die Kinder mit fremder Nationalität zuhause ihre Muttersprache sprechen und sie sich im Kindergarten nur schwer an die deutsche Sprache gewöhnen könnten.

Auf die Frage, wieso es zu einer so erhöhten Prozentzahl von sprachgestörten Kinder gekommen ist, sagte man uns, dass sich die Gesellschaftsstruktur sehr verändert hat. Die Kinder sitzen viel zu lange alleine vor dem Fernseher oder spielen Computer. Sie hören dabei zwar Sprache, aber lernen sie nicht zu sprechen. Hinzu kommen noch die zeitlichen Probleme der Eltern und die meisten Eltern sind viel zu jung (Kindseltern), um zu wissen, wie man ein Kind richtig erzieht und es fördert.

Auf die Frage, was gemacht wird um Sprachstörungen zu erkennen und zu beheben, antwortete sie uns, dass durch das viele Sprechen mit den Kindern die Sprachstörungen schnell und früh erkannt werden könne. Behoben werden sie durch vorbildliches Sprechen und das Benutzen fester Begriffe (z.B. Keks, anstatt Gebäck, Leckerei,..), sowie durch Sprachangebote am Nachmittag, gezielte Lerngruppen mit gezielten Spielen und viele anderen Sachen.

Hinzu kommt noch ein Sprachförderprogramm. Dieses ist eine integrierte Sprachförderung für Vorschulkinder im Kindergarten. Die Kinder verpflichten sich siebeneinhalb Stunden daran teilzunehmen. Nach den ersten Beobachtungen folgt ein Test des Sprachstandes des Kindes. Darauf folgt dann der Aufbau des Programms. Zum Abschluss dieses Förderprogramms wird eine Dokumentation für Eltern und Grundschule gemacht.

Diese ganzen Problembehandlungen haben sehr guten Erfolg bis jetzt erzielt. Kommt es aber zu schwerwiegenderen Fällen, wie zum Beispiel zum Stottern, Lispeln Wortfindungsschwächen oder hat das Kind eine zu schlaffe Mundmuskulatur, dann werden die Eltern informiert und ihnen wird geraten zu einer Sprachtherapie zu gehen.

Den Eltern werden meist schon vor einer Therapie Tipps gegeben, um solchen Sprachstörungen vorzubeugen. Ihnen wird geraten sich mehr mit den Kindern zu beschäftigen, Spiele zu spielen und Geschichten vorzulesen, anstatt mit ihnen Fernsehen zu schauen oder Kassetten zu hören.

Im Kindergarten in Lügde wird das BiSc (Bielefelder-Screening) angewandt. Dies ist ein Testverfahren, bei dem man feststellen kann, ob das Kind eine Lese- oder Rechtschreibschwäche hat. Kinder, die hierbei auffallen, werden „raus genommen“ und bekommen direkte Fördermaßnahmen.

Die Erzieherinnen müssen einmal pro Jahr zu einer geschulten Fortbildung gehen.

Es werden auch Lesestunden eingerichtet, bei denen z.B. Großeltern mithelfen. Diese Nachmittage nennt man „Großelternnachmittage“. Sie sind unregelmäßig, aber machen den Kindern sehr großen Spaß. Dabei werden Geschichten vorgelesen oder Spiele gespielt, was die Kinder unbewusst mit Sprache in Verbindung bringt.

Einmal im Jahr kommt aber auch noch eine Frau aus Bad Pyrmont in den Kindergarten und beschäftigt sich mit den Kindern und liest ihnen Geschichten vor. Die ideale Gruppengröße beträgt hierbei max. 7-8 Kinder.

Insgesamt haben sich die Methoden um Sprachstörungen zu erkennen in den letzten Jahren sehr verändert. Dazu kommt noch, dass sich die Psychologie auch einen weiten Schritt nach vorne bewegt hat, was für die Erzieherinnen heißt, dass sie jetzt eine doppelt solange Beschäftigungszeit haben als zuvor.

Besuch im Katholischen Kindergarten Schieder

Allgemeine Informationen über den Kindergarten:

Neben dem besuchten Kindergarten gibt es in Schieder einen weiteren auf dem Sehlberg. Anders als dieser ist der in Nähe des Kurparks, wie auch der besuchte in Lüge, katholisch. Dieses besondere Merkmal kann man auch an den Leitgrundsätzen, die dem Anhang beigefügt sind, erkennen.

Eine weitere Besonderheit ist, dass die gelbe Gruppe auch mit behinderten Kindern arbeitet und für diese Ansprüche eine dritte Arbeitskraft beherbergt.

Auch für Kinder, die erst nachmittags abgeholt werden können, ist durch eine weitere Erzieherin gesorgt.

Informationen zur Sprachentwicklung der Kinder:

das Foto zeigt... Schon bei der Frage nach der Prozentzahl und dem Anstieg in den letzten Jahren gab es bei der Befragung zu den Sprachstörungen deutliche Unterschiede zu unserer Lehrlektüre. Die Leiterin (Bild rechts) schätzte die Anzahl von sprachgestörten Kindern auf etwa 10%.

Den hohen Anstieg der letzten Jahre, der im Buch genannt wurde, konnte sie sich mit der Tatsache erklären, dass damals Sprachstörungen wie Lispeln nicht als richtige Störung angesehen wurde, oft sogar viel mehr als süß empfunden wurden und deshalb eventuell nicht so stark mit in die Ergebnisse eingerechnet wurden wie heute.

Unterschiede beim Geschlecht konnte Frau Holthaus nicht vernehmen, auch wenn sich Mädchen auch dort meist ehrgeiziger zeigen.

Anders jedoch bei Migrantenkindern, die es oft doppelt schwer haben, wenn im Kindergarten und zu Hause verschiedene Sprachen gesprochen werden. Jedoch ist dies speziell im besuchten Kindergarten ein nicht wirklich großes Problem, da sich die Zahl dieser Kinder in den Gruppen doch in Grenzen halten.

Die Berufstätigkeit der Mutter an sich, sah sie auch nicht als Problem an, solange das Kind eine Bezugsperson hat, mit der sie ausgiebig „plappern“ und damit Erlebnisse des Tage verarbeiten.

Probleme bei der Orientierung kann das Kind jedoch bekommen, wenn es „rumgereicht“ wird, denn so kann es auf immer wieder andere Sprechweisen wie Dialekte treffen und Schwierigkeiten bei der Orientierung bekommen.

Zudem machen zu oft genutzte Medien und auch die ohnehin wenig gepflegte deutsche Muttersprache Probleme bei der normalen Entwicklung. Für früher alltägliche Dinge wie Geschichten lesen ist heute oft nur noch wenig Zeit.

Weiterhin gibt es neben den psychischen Gründen auch körperliche für Sprachstörungen. So spielen die Ausbildung des Gaumens, des Gebisses oder zum Beispiel auch der Ohren eine sehr wichtige Rolle. Im Gegensatz zu psychischen Ursachen, wird bei körperlichen Auswirkungen den Eltern schon deutlich früher die Abklärung mit einem Arzt empfohlen.

Bei 3-4 jährigen wird bei psychischen Störungen noch gehofft, dass die Kinder noch von einem Entwicklungsschub beeinflusst werden. Danach ist es jedoch sehr wichtig, dass bei fehlender Besserung etwas getan wird, da schon sehr bald danach auch die Schulzeit bevorsteht und in den Lehrern in der Schule kaum eine Möglichkeit bleibt die Kinder auf Sprachstörungen hin näher zu beobachten.

Auch widerlegen konnte Frau Holthaus die Aussage des Buches, dass die Arbeit in Kleingruppen nicht möglich sei. Laut ihrer Information ist dies in ihrem Kindergarten nicht zutreffend, da sich in jeder Gruppe mindestens immer zwei Betreuer befinden, von denen sich somit einer um die Allgemeinheit sowie einer um die Kleingruppe von etwa sechs bis acht Kindern. Diese Arbeit kann zum Beispiel mit Bilderbücher unterstützt werden. Die Kinder werden aufgefordert von dem Gesehenen zu berichten und es zu beschreiben.

Auch beim gemeinsamen Stuhlkreis sollen die Kinder erzählen. Doch auch Konzentration und Zuhören sowie die Tatsache, dass nicht alle gleichzeitig reden können werden geschult. Gerade bei diesen Gesprächen zeigen sich im Grunde schon die meisten Sprachstörungen bei Kindern. Falls eine solche von den Erziehern beobachtet wird, wird darauf besonders Acht gegeben und die Leiterin als uneingenommene Person kontrolliert die Vermutung.

Dabei können spezielle Bilderbögen, bei denen bestimmte Laute kontrolliert werden, eine wertvolle Hilfe sein. Ein Beispiel für solche Bögen kann man auch dem Anhang entnehmen. Nachdem sich die Vermutungen der Erzieherinnen meist bestätigen, da diese natürlich auch durch etliche Seminare geschult sind, werden die Eltern durch ein Schreiben, was sich auch im Anhang befindet, sowie natürlich auch persönlich davon unterrichtet. Zu diesem Zeitpunkt können die Erzieherinnen die Störung meist auch schon im Groben benennen. Zum Beispiel, ob es sich um bestimmte Silber oder um leichtes Stottern oder Lispeln handelt.

Einmal jährlich kommt dann eine Sprachheilberaterin des Kreises Lippe in den Kindergarten, welcher die Kinder mit Auffälligkeiten vorgestellt werden. Sie entscheidet darüber, ob die Kinder therapiert werden müssen.

Die meisten Eltern sind sehr dankbar von den Störungen ihrer Kinder durch den Kindergarten zu erfahren und arbeiten dementsprechend bei der Behebung mit. Auch bei dem Treffen mit der Heilberaterin sind sie dabei. Sie selber „überhören“ Unregelmäßigkeiten selber oft, wie Frau Holthaus berichtet, weil sie es nach einiger Zeit auch gewohnt sind.

Einige kommen jedoch auch von selbst auf die Leiterin zu, weil ihnen Veränderungen aufgefallen sind. Ihnen wird dann bei jeweiligen Alter geraten auf den Besuch der Sprachheilberaterin zu warten oder einen Kinderarzt aufzusuchen, der die Sprachtherapie auf Kassenrezept verordnen kann.

Weiterhin wird allen Eltern geraten zu Hause auf eine gepflegte, klare und deutliche Sprache zu achten, damit das Kind gute Vorbilder hat. Diese Vorbildfunktion ist auch bei den Erzieherinnen wichtig, so müssen diese eine sehr gepflegte Muttersprache haben. Auch bei Praktikantinnen wird Wert darauf gelegt, dass sie den Kindern Geschichten vorlesen können und auch richtig mit ihnen sprechen.

Die Therapie ist meist schon völlig ausreichend, um eine weitere problemlose Entwicklung zu gewährleisten. Im Kindergarten werden die Problemfälle nicht weiter speziell betreut, da schon die alltägliche Sprachförderung ihren Teil beiträgt.

Auch dem Screening-Verfahren stand die Leiterin eher kritisch gegenüber, obwohl sie gut über das Bielefelder Screening informiert war. Ihrer Meinung nach wird der oder die Erzieherin bei diesem Verfahren schon teilweise zum Therapeuten, was trotz Fortbildungen eindeutig über die Befähigungen des Erziehers hinaus geht, weil es dafür ja extra den Therapeuten gibt, der Spezialist dafür sein sollte.

Oftmals sind die Ausarbeitungen der Universitäten laut Frau Holthaus auch nicht besonders wertvoll, da sie häufig nur wenig Praxisbezug haben oder in dieser schon längst in abgeänderten Formen angewandt werden. Es besteht somit im Grunde genommen kein Bedarf „das Rad neu zu erfinden“. So haben Wissenschaftler zum Beispiel herausgefunden, dass mit Kindern 10-20 Minuten am Tag Bilderbücher oder Reime besprochen werden sollten, obwohl das in sicherlich allen Kindergärten bereits geschieht.

Aus diesem Grund bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass im Katholischen Kindergarten Schieder wie in den meisten Kindergärten sehr viel Wert auf das alltägliche Sprechen gelegt wird und analytisch-therapeutische Verfahren wie das Bielefelder Screening, sicher nicht aus Faulheit sich nicht in das Thema einarbeiten zu wollen, sondern auf Grund von möglicher Kompetenzüberschreitungen nicht angewandt werden. Denn es dürfte klar sein, dass alle Erzieherinnen eine hohe Anzahl von Fortbildungen machen und dies dann wohl nicht der Grund für eine Ablehnung sein dürfte.

Für mich war die Argumentation der Leiterin zumindest sehr nachvollziehbar, weshalb ich mich für das Gespräch bedanken durfte und sie sich gern zur Beantwortung weiterer Fragen bereit erklärte, wenn diese aufkommen sollten.

Zusammenfassendes über beide Besuche:

Wie schon in unserer Präsentation deutlich geworden konnte wir gewisse Schlüsse aus unseren Besuchen ziehen.

So war deutlich, dass wir ähnliche Ergebnisse wie auch andere Gruppen unseres Kurses hatten und es gerade bei der alltäglichen Sprachförderung große Gemeinsamkeiten bei unseren Kindergärten gab. Neben der Einschätzung über die Anzahl der sprachgestörten Kinder lag der größte Unterschied wohl im Benutzen des BiSc-Verfahrens (Bielefelder Screening). Jedoch kann man hier wohl keine Urteile zulassen, da beides mal der Grund des speziellen Verfahrens nachvollziehbar dargelegt wurde.

Interessant war es zumindest zu erfahren, dass nicht alle Fakten, die im Buch angesprochen werden, auch wirklich in der Praxis zutreffen. Diese oft fehlende Praxisnähe wurde gesondert ja auch von der Leiterin in Schieder angesprochen. Schon die Tatsache, dass das Screening-Verfahren nicht überall angewendet wird, weicht im Grunde genommen ja von dem Aussagen im Buch ab und auch die Arbeit in Kleingruppen scheint anders als beschrieben in der Praxis möglich zu sein.

Spekulieren könnte man nun darüber, ob diese Tatsachen zustande kommen, weil die Lage in Großstädten schon wieder anders aussehen könnte. Trotzdem sind wir der Meinung, dass die Ergebnisse auf Grund hoher Übereinstimmungen mit anderen Gruppen schon einigermaßen repräsentativ sind.

Anhang:

Informationsmaterial zum Kindergarten Schieder

Fragebogen: Sprachstörungen bei Kindergartenkindern
  1. Auf wie viel Prozent schätzen Sie die Sprachstörungen in ihrer Gruppe?
  2. Ist die Zahl der Kinder mit Sprachstörungen und/oder Sprachunterentwicklungen in den letzten Jahren angestiegen?
  3. Gibt es Unterschiede bei Geschlecht, Alter, Nationalität und Berufstätigkeit der Eltern?
  4. Was wird gemacht um Sprachstörungen im Kindergarten zu erkennen?
  5. Was wird gemacht um sie zu beheben?
  6. Mit welchem Erfolg?
  7. Kennen/Benutzen Sie das Screening-Verfahren? Was halten Sie davon und wie wird es angewandt?
  8. Können Kinder mit Sprachstörungen innerhalb des Kindergartens besonders gefördert werden? Wenn ja, wie? Wenn nein, warum?
  9. Werden Vorlesestunden eingerichtet? Wenn ja mit wie vielen Kindern und wie oft?
  10. Denken Sie, dass Kleingruppen dabei gegenüber großen Gruppen Vorteile hätten?
  11. Werden Eltern als Helfer eingesetzt? Wenn ja, wo?
  12. Nehmen Sie und ihre Kollegen/Kolleginnen an Fortbildungen zum Thema Sprachentwicklung teil?
  13. Wenn ja wie oft und wie sind sie aufgebaut/was wird besprochen?
  14. Woran könnte es Ihrer Meinung nach liegen, dass Kinder von Sprachstörungen betroffen werden?
  15. Wie können Eltern zu Hause mithelfen um Sprachstörungen vorzubeugen? Werden diese Tipps den Eltern auch gegeben?
  16. Wie werden Eltern auf Sprachstörungen aufmerksam gemacht und wie reagieren sie?
  17. Haben sich in den letzen Jahren die Methoden um Sprachstörungen zu erkennen geändert?