Mit SchülerVZ auf dem Weg zum gläsernen Menschen?

„Wer von euch ist in SchülerVZ aktiv? – Aha, fast alle! Und wer hat die AGB, die allgemeinen Geschäftsbedingungen gelesen? – Keiner!“ Das waren die Eingangsfragen des Datenschutzexperten Thomas Werning aus Detmold, als er in der Klasse 10b über den verantwortlichen Umgang mit den eigenen Daten referierte. Er schilderte eindrucksvoll, welche Möglichkeiten bestehen, personenbezogene Daten aus dem Internet zusammenzuführen und Persönlichkeitsprofile zu erstellen. Firmen versuchen das mit großem finanziellen Aufwand, damit sie zielgerichteter als jemals zuvor an den so ermittelten Bedürfnissen der Kunden anknüpfen können.

Viele Schülerinnen und Schüler konnten für die heute üblichen Werbungs- und Verkaufsmethoden schon Beispiele beschreiben, die manchmal bereits die Grenze zur Illegalität überschreiten. Thomas Werning verwies auf die Datenschutzgesetze, betonte aber, dass die gegen Server oder Firmen im Ausland wenig ausrichten können. Sie laufen auch dann ins Leere, wenn AGBs blind zugestimmt worden ist oder viele persönliche Daten im Netz preisgegeben werden. Denn eins müsse jedem bewusst sein: Wenn Daten im Netz sind, können sie nicht zurückgeholt werden.

Die Klasse 10b will mit dieser Problematik einen Beitrag für den Politik-Wettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung erarbeiten. Unter dem Titel „Alle mal hergucken! Privatsphäre 2.0“ wird davon ausgegangen, dass inzwischen alle Personalabteilungen ihre Bewerber im Netz durchchecken. Über die Google-E-Mail-Suche werden alle Informationen aus „SchülerVZ“, „MySpace“, „Youtube“ und ähnlichen Portalen zusammengestellt. Aber wer überlegt sich das schon früh genug?

Es kam Thomas Werning vor allem darauf an, die Schülerinnen und Schüler der 10b für diese Problematik zu sensibilisieren und ihre Möglichkeiten zur informellen Selbstbestimmung zu stärken. Die Klasse wird mit Th. Werning über ihre Unterrichtsplattform weiter in Kontakt bleiben.